European Media Partner
Die Zulassungsverfahren für moderne Pflanzenschutzmittel müssen beschleunigt werden. LEBENSMITTEL INDUSTRIE UND AGRAR WIRTSCHAFT

Moderner Pflanzenschutz sichert die Ernährung der Zukunft

Extreme heiße und trockene Sommer, zu viel Regen im Winter. Der Klimawandel ist nicht zu leugnen. Um weiter genügend Getreide, Gemüse und Obst ernten zu können, muss der moderne Pflanzenschutz weiterentwickelt werden.

60 Pflanzenzüchter aus Deutschland haben sich zu einer einzigartigen Züchtungsallianz zusammengeschlossen. Mit dem Projekt „PILTON“ soll geprüft werden, ob mit einem pilztoleranten Weizen in Zukunft Pflanzenschutzmittel signifikant eingespart werden können. „Mit dem Projekt wollen wir prüfen, welchen Nutzen neue Züchtungsmethoden für eine ressourcenschonende und produktive Landwirtschaft haben. Konkret geht es darum, das Potenzial zur Einsparung von Pflanzenschutzmitteln zu evaluieren“, beschrieb die Vorsitzende des Bundesverbandes der Pflanzenzüchter (BDP), Stephanie Franck, das Projekt bei seiner Vorstellung im letzten Jahr. Molekulare Züchtungsmethoden sollen zum Einsatz kommen. Damit ist die Genom-schere CRISPR-Cas gemeint, mit deren Hilfe schnelle und präzise Erbgutveränderungen vorgenommen werden können. 

Doch auch wenn das Projekt PILTON sehr vielversprechend ist, die regulatorischen Hürden der EU sind enorm. Nach einem Urteil des EuGHs aus dem Jahr 2018 gilt der Einsatz der Genschere als gentechnisch veränderter Organismus und fällt damit unter die sehr strenge Regulierung der europäischen Freisetzungslinie für gentechnisch veränderte Organismen (GVO-Richtline). PILTON wird also noch eine Weile benötigen, bis damit wirklich eine Menge an Pflanzenschutzmitteln und Insektiziden auf den Feldern eingespart werden kann.

Es müssen mehr klimaresistente Arten gezüchtet, dazu sollten die Landwirte auf Boden schonende Verfahren setzen.  Der landwirtschaftspolitische Sprecher der FDP, Gero Hocker, sagte dazu: „Die Zulassung moderner Pflanzenschutz-mittel muss beschleunigt und moderne Gentechnik-Methoden sollten vorangebracht werden.“

Forderungen, die schon vor längerer Zeit auch von Seiten des Deutschen Bauernverbandes erhoben wurden. Joachim Rukwied, Präsident des Bauerverbandes, forderte im Handelsblatt eine Änderung der Gesetze. „Wir benötigen widerstands-fähigere Pflanzen. So könnten durch spezielle Züchtungen neue Pflanzen entstehen, die sowohl mit Trockenheit als auch mit Nässe fertig werden. Um sie zu erhalten, brauche es nicht Gentechnik, aber neue Züchtungsmethoden wie die Genschere CRISPR/Cas könnten Antworten auf den Klimawandel geben.“

Um in der Zukunft Antworten für einen modernen Pflanzenschutz geben zu können, haben sich jetzt 14 Verbände, da-runter auch der Deutsche Bauernverband DBV) und der Bundesverband Agrarhandel (BVA), zu einer Allianz zusammen-geschlossen. Sie verlangen, das bewährte Pflanzenschutzmittel nicht einfach verboten werden sollen wenn noch kein geeigneter Ersatz zur Verfügung steht. „Damit keine inakzeptablen Wohlstandsverluste entstehen, muss den abzulösenden Techniken ein angemessener Übergangszeitraum eingeräumt werden, bis sie durch Innovationen ersetzt werden können. Ein ‚Kahlschlag‘ bewährter Techniken ist kontraproduktiv“ so die neue Allianz in Ihrem Verbandskommuniqué.

Der Widerspruch zwischen Pflanzenschutz mit bewährten Mittel auf der einen Seite und verminderten Risiken für Gesundheit, Umwelt und die Ökosystem auf der anderen Seite, wird sich so schnell lösen lassen.

Fakten

Im Jahr 2019 waren 932 unter-schiedliche Pflanzenschutzmittel durch das deutsche Pflanzen-schutzrecht zugelassen. Der Absatz lag bei 27.000 t Wirkstoff im Jahr 2019 (Quelle: Umweltbundesamt). Daraus ergibt sich ein jährlicher, durchschnittlicher Einsatz von  8,8 kg Pflanzenschutzmittel  pro Hektar Anbaufläche.

Teile diesen Artikel

Journalist

Jörg Wernien

Weitere Artikel