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Qualitätsbau mit Zertifikat

Zertifikate und Bescheinigungen, Qualitätsmanagement und Präqualifikation optimieren Abläufe in der Baubranche.

Mit der Einführung eines Qualitätsmanagements übernimmt das Unternehmen selbst konsequent die Prüfung der Bauqualität.

Was am 14. August 2018 mit dem verheerenden Einsturz der Morandi-Brücke in Genua geschah, ist ein Albtraum für alle Beteiligten, aber auch für Ingenieure und die Baubranche. Welche Fehler wurden beim Bau der Brücke vor mehr als fünfzig Jahren gemacht und warum musste bei diesem Viadukt von Anfang an nachgebessert werden? Die Qualitätssicherung in der Baubranche ist ganz abgesehen von einem solch krassen Fall ein zentraler Aufgabenbereich moderner Architektur. Mit Hilfe von Zertifizierungen im Baubereich etwa nach der Qualitätsmanagementnorm ISO 9001 werden Tausende Überprüfungen in Bauunternehmen durchgeführt. 

Eine unverzichtbare Voraussetzung für eine Zusammenarbeit von Zertifizierungsfachleuten und Bauunternehmen ist natürlich, dass die Unternehmen fortschrittlich denken und handeln. Viele Unternehmen entschließen sich zu einer externen Überprüfung, die ihre Abläufe sowie die Verteilung der Verantwortlichkeiten und die eigene Qualitätssicherung hinterfragen und optimieren. Dass dabei Aspekte des Umweltschutzes und der Arbeitssicherheit systematisch integriert werden, ergibt sich in vielen Fällen von selbst.

Die zentrale Aufgabe ist dabei, Insellösungen zu vermeiden und ein Bewusstsein für eine inte-
grierte Systematisierung der Abläufe zu erzeugen, in die alle Mitarbeiter kooperativ eingebunden sind. Früher einmal waren Mitarbeiter gefragt, die auf Baustellen hervorragend improvisieren konnten. Heute sind Mitarbeiter wichtiger, die über eine zielgerichtete Arbeitsvorbereitung, eine vorausschauende Arbeitsplanung und ein konsequentes Chancen-Risiko-Management verfügen, um die Notwendigkeit zur kostenintensiven Improvisation auf ein Minimum zu reduzieren. Das Qualitätsmanagement stellt dabei die erforderlichen Werkzeuge zur Verfügung.

Wichtige Maßnahmen zur Qualitätssicherung umfassen Waren-
eingangsprüfungen, Probenamen und natürlich Prüfungen der Bauqualität. Die Erfahrungen der Experten aus jüngster Zeit zeigen, welche Fortschritte gemacht werden, wenn alle Bestandteile des Qualitätsmanagements externer Zertifizierungsfachleute ineinander greifen. Früher einmal war es ja üblich, dass der Auftraggeber selbst ständig die örtliche Bauleitung und die Qualität der Bauleistungen überprüft. Das hat vor allem bei öffentlichen Auftraggebern die Unternehmen dazu verleitet, die eigene Qualitätskontrolle zurückzufahren. Mit der Einführung eines Qualitätsmanagements übernimmt das Unternehmen nunmehr selbst die Prüfung der Bauqualität und vermeidet so kostentreibende Reklamationen und Nacharbeiten. Dadurch wird der nach wie vor als „Auftraggeber“ bezeichnete Bauherr von den Unternehmen, die über ein Qualitätsmanagement verfügen, in die Lage versetzt, mehr Orientierung und -zufriedenheit durch eine qualitätsgerechte Ausführung in den Vordergrund zu stellen.

Für die Fachleute des Qualitätsmanagements gibt es im Bauwesen noch etliche Bereiche, die dringend einer Optimierung bedürfen. Die Art der Vergabe von Bauleistungen gehört dabei sicher zu den problematischen Themenfeldern. Was dabei entstehen und vor allem auch schief laufen kann, haben öffentliche Bauvorhaben wie beispielsweise die Hamburger Elbphilharmonie und ihre explodierenden Kosten eindrucksvoll gezeigt. In vielen Fällen erfolge die Vergabe von Bauleistungen an den billigsten Bieter ohne Rücksicht auf nachgewiesene Fachkunde, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit, klagen die Fachleute. Die Prüfung solcher Aspekte ist zugegebenermaßen nicht einfach, aber Zertifikate und Gütezeichen helfen weiter, vorausgesetzt es handelt sich um seriöse und vergaberechtlich abgesicherte Zertifikate und Gütezeichen – beispielsweise von akkreditierten Stellen.

Aber nicht nur die Bauherren müssen ihre Abläufe und Vorgehensweisen verbessern. Auch bei den Baufirmen selbst ist dies der Fall, wenn Nachunternehmen beauftragt werden. Hier fehlt in vielen Fällen ein professionelles Nachunternehmer- und Lieferantenmanagement. Womit wir beim Begriff der Präqualifikation wären, der in der Baubranche vor allem aus Sicht der Experten und Zertifizierungsfachleute eine immer zentralere Rolle spielt. Letztlich können Auftraggeber nur durch eine sorgfältige Wertung der Angebote sicherstellen, dass Bauleistungen von kompetenten und seriösen Unternehmen erbracht werden. Gleiches gilt für die Vergabe an Nachunternehmen durch ein konsequentes Lieferantenmanagement. Hier wurden gerade vonseiten öffentlicher Auftraggeber, die nur über ein begrenzteres Fachwissen verfügen, erhebliche Fehler gemacht. Das zeigte sich – um ein spektakuläres Beispiel zu nennen – ohne Frage beim Bau des Flughafens Berlin-Brandenburg, dessen Eröffnung nunmehr in immer weitere Ferne rückt.  

Die Präqualifikation ist dabei ein leistungsstarkes Hilfsmittel. Zumindest die auftragsunabhängigen Aspekte der Fachkunde, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit werden seit nunmehr zehn Jahren durch die sogenannten PQ-Stellen überprüft und aktualisiert. Ziel der PQ war und ist es, die Wertung von Angeboten zu erleichtern. Wenn sich ein Unternehmen in der amtlichen Liste des PQ-Vereins finden lässt, besteht die Sicherheit, dass zumindest die wesentlichen Kriterien erfüllt sind.

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Journalist

Helmut Peters

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