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Für Nico Rosberg spielen bei Investitionen in Start-ups neben Nachhaltigkeitsaspekten auch soziale Punkte eine entscheidende Rolle. UNTERNEHMERTUM

„Wertebasiertes Investieren ist lukrativ“

Gründer müssen an ihre Vision glauben und mit Leidenschaft und Eifer dafür kämpfen, dass sie erfolgreich sind, sagt Ex-Formel- 1-Weltmeister Nico Rosberg.

Unternehmerisches Denken braucht Mut und in unserer Gesellschaft sind wir viel zu negativ im Umgang mit dem Scheitern.

Bei Ihren Unternehmen stehen die Themen Nachhaltigkeit und Green Economy ganz oben. Warum?

Nachhaltige Technologien sind die Zukunft. Wir haben in vielen Bereichen und Industrien enormen Bedarf an effizienten Lösungen, die unseren Ressourcenverbrauch und CO2-Emissionen minimieren. Ich gehe aber noch einen Schritt weiter und investiere auch in Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften und dabei nicht nur die Umwelt, sondern auch soziale Aspekte berücksichtigen. Ich glaube, dass wertebasiertes und ökologisches Wirtschaften nicht nur möglich, sondern sogar äußerst lukrativ ist. 

Sehen Sie also in Investitionen auch eine Art Bekenntnis? Geht es um mehr als „nur“ um Geldverdienen?

Wenn ich nur Geld verdienen wollte, würde ich etwas anderes machen. Natürlich geht es mir um mehr als das, nämlich Impulse zu setzen für eine bessere Zukunft und Menschen dabei zu unterstützen, die diese Zukunft mitgestalten wollen. Bei nachhaltigen Technologien und Start-ups braucht man als Investor einen sehr langen Atem – an das schnelle Geld kommt man so nicht. Aber man trifft unheimlich viele Menschen mit Leidenschaft, die etwas Positives bewegen wollen – das ist sehr inspirierend. 

Wie wichtig ist es, dass Gründer hinter ihrer Idee stehen, wirklich für sie brennen?

Enorm wichtig. Ohne dieses Feuer kann man mutige Ideen nicht umsetzen. Man muss an seine Vision glauben und vor allem mit Leidenschaft und Eifer dafür kämpfen, dass aus dem Glauben dann auch erfolgreiche Wirklichkeit wird. Wenn man nicht komplett hinter seinen eigenen Ideen steht, dann tut das auch kein anderer, so einfach ist das. Als Investor spürt man, wenn Gründer dieses Feuer haben, und das zahlt sich dann auch aus. 

Welche Branchen sind für Gründer besonders attraktiv?

Das ist schwer zu beantworten, da es maßgeblich von den Gründern selbst abhängt. Ich persönlich denke, es ist wichtig, sich in einem Bereich zu engagieren, mit dem man sich gut auskennt, wo man Know-how, Erfahrung und Kontakte mitbringt und die Konkurrenz einschätzen kann. Dann hat man einen großen Vorsprung vor anderen und schafft es auch, Investoren und Partner von sich zu überzeugen. So oder so sollte man den Markt gut kennen und wissen, wo es Bedarf für Verbesserung und neue Produkte und Ideen gibt. Oft kommen Gründer aber auch eher zufällig auf eine Geschäftsidee, weil sie als Konsumenten selbst ein Manko entdecken und wissen, wie man es beheben könnte. So etwas finde ich immer toll. 

Was ist Ihnen ansonsten wichtig, wenn Sie sich für die Beteiligung an einem Start-up entscheiden?

Ich achte auf viele Details und bin nicht so risikofreudig wie manch anderer Investor. Deshalb schaue ich mir im Due Diligence Prozess immer genau an, welche Fallstricke es eventuell gibt, wo noch Kenntnisse, Schwächen im Team oder Produkt oder etwa Patente fehlen. Dafür arbeite ich mit meinem Team zusammen, die sich sehr eingehend mit den Gründern und der Geschäftsidee auseinandersetzen. Wichtig ist mir aber vor allem, dass das Start-up einen Mehrwert für Gesellschaft oder Umwelt bringt. Ich beteilige mich an Start-ups, die unsere Welt ein Stück besser machen. Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen sind hier ein guter Wegweiser für mich. Das sind 17 Ziele in verschiedenen Wirklichkeit wird. 

Kategorien wie „Bezahlbare und saubere Energie“, „Nachhaltige Produktion“ oder „Gesundheit und Wohlergehen“. Wenn sich Start-ups mit diesen Themen beschäftigen und Lösungen anbieten, dann sind sie definitiv interessant für mich. 

Sie haben ja mit einer Reihe von Start-ups Kontakt, auch durch ihre Mitwirkung bei „Die Höhle der Löwen“. Welches sind die wichtigsten Ratschläge, die Sie jungen Gründern mit auf den Weg geben möchten?

Dranbleiben. Mut haben. Sich nicht unterkriegen lassen. Geduld mitbringen. Und vor allem reinbuttern, was das Zeug hält. Das sind alles Phrasen, aber ein Patentrezept für Erfolg gibt es nicht. Es gibt Gelegenheiten im Leben und am Markt, die muss man ergreifen. Trends erspüren und dann daran glauben, dass man es schaffen kann. Wichtig ist aber auch, dass man mit Fehlern und Enttäuschungen gut umgeht und nicht zu frustriert ist, wenn es beim ersten Anlauf nicht gleich klappt. Viele erfolgreiche Unternehmer haben vorher schon mal eine Pleite hingelegt. Das gehört auch dazu. 

Scheitern gehört dazu, ist in Deutschland aber verpönt. Brauchen wir hier eine andere Sichtweise wie zum Beispiel in der USA?

Auf jeden Fall. Unternehmerisches Denken braucht Mut und in unserer Gesellschaft sind wir viel zu negativ im Umgang mit dem Scheitern. Wir betrachten es ja gern als Schwäche. Dabei lernt man gerade aus Krisen unheimlich viel und oft gibt einem die Erfahrung des Scheiterns die entscheidende Kraft und den Kick für langfristigen Erfolg. Ich finde es bewundernswert, wenn Menschen sich etwas trauen. Ist es nicht besser, etwas versucht zu haben, als nie irgendetwas zu wagen?

Sie waren Formel 1-Weltmeister. Ein Rennen hat viele Runden, bevor der Sieger auf dem Treppchen steht. Können Sie aus ihrer aktiven Zeit Erkenntnisse für Ihre heutigen Aktivitäten gewinnen?

Klar, besonders im Hinblick auf das Scheitern. Wenn man in einem Rennen mal nach hinten fällt und schlecht abschneidet, kann man sich nicht in Selbstmitleid suhlen, sondern muss die Woche drauf gleich wieder neu angreifen und weiterkämpfen. Man lernt als Formel-1-Fahrer auf jeden Fall den Umgang mit Niederlagen. Aber auch Erfolg. Niemand gewinnt, wenn er sich allzu lange im eigenen Erfolg sonnt. Man muss weiter achtsam, diszipliniert und fleißig sein. Sonst wird das nichts.

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Journalist

Armin Fuhrer

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