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„Es gibt keine Ausreden mehr.“

Wer im vergangenen Jahr noch behauptet hat, das Produkt E-Fahrzeug sei in der Fläche nicht marktreif und erfülle viele Kundenanforderungen nur ungenügend, der wurde zum Jahreswechsel von der Realität eingeholt. Der Absatz von Elektroautos boomt, ihr Marktanteil beläuft sich in Deutschland auf inzwischen acht Prozent. Die monatlichen Zulassungen im Herbst überstiegen die Vorjahreswerte teilweise um das Dreifache und bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau versagten im November die Server beim Online-Ansturm auf die Anträge zur Förderung privater Ladeinfrastruktur. Das alles macht deutlich: Die E-Branche ist aus der Nische gefahren.

Bislang fehlt der uneingeschränkte Zugang zu öffentlichen Ladesäulen, punktuelles Laden ist nicht überall möglich und Ladeinfrastruktur oftmals unzuverlässig.

Kurt Sigl, Präsident Bundesverband eMobilität e.V. (BEM); Foto: Presse

Und das nicht nur in Deutschland. Während viele Manager hierzulande empört über Forderungen nach dem Ende des Verbrenners reagieren, machen andere Länder längst Nägel mit Köpfen. Paris startet im Jahr 2024 mit einem Dieselfahrverbot und wird Benziner ab 2030 in Frankreichs Hauptstadt nicht mehr fahren lassen. Amsterdam will ab 2030 jegliche Benzin- und Dieselfahrzeuge aussperren. Das gilt auch für Motorräder und Roller. Auf der Ferieninsel Mallorca dürfen neue Diesel-Pkw ab 2025 nicht mehr zugelassen werden, Benziner sind ab 2035 dran. Das gilt dann auch für die Mietwagenbranche, der bereits ab dem kommenden Jahr 2021 kontinuierlich steigende Quoten an Elektroautos vorgeschrieben werden. Nach einer Erhebung der Unternehmensberatung Berylls sind in Europa 16 Millionen Fahrzeuge von Aussperrungen bedroht. Großbritannien will hier auch Hybrid-Modelle dazuzählen...

Es gibt also keine Ausreden mehr, Elektromobilität lässt sich nicht mehr ignorieren. Selbstverständlich lässt sie sich verbessern. Im Bereich Batterie und digitale Dienste wird es große Fortschritte geben. Wir werden neue Fahrzeuge sehen: Nicht nur Pkw, sondern vielfältigste Vehikel – dreirädrige, klappbare oder führerlose Fahrzeuge, die Platz sparen, quasi geräuschlos fahren, absolut individualisierte Mobilität umsetzen und viel Spaß versprechen, wenn auch die Ladeinfrastruktur qualifiziert ausgebaut und standardisiert wird. Hier gibt es im neuen Jahr und nach der Bundestagswahl sehr viel zu tun. Bislang fehlt der uneingeschränkte Zugang zu öffentlichen Ladesäulen, punktuelles Laden ist nicht überall möglich und Ladeinfrastruktur oftmals unzuverlässig. Ebenso fehlt es an Preistransparenz und fairen Preisen, hier ist Deutschland ein teures Pflaster. 

Vieles liegt dabei in den Händen von Politik und Behörden. Die Erwartungen sind groß, dass die Bundesnetzagentur ein kluges Modell für die Regulierung der Ladeinfrastruktur präsentiert. Das Kraftfahrtbundesamt muss die Vielfalt neuer Fahrzeuge erfassen und analog zu ihrem Klimabeitrag richtig einstufen. Vom Bundeswirtschaftsministerium wird es abhängen, ob die Automobilwirtschaft mit der Energiewirtschaft gemeinsam Innovationen im Bereich Stromspeicher und bidirektionales Laden schafft. Ziel ist es, grünen Strom möglichst rund um die Uhr verfügbar zu machen. Und die gesamte Bundesregierung sollte sich endlich zum neuen Antrieb bekennen und die eigenen Fuhrparks vorbildhaft umrüsten. 

Das alles ergibt eine lange Liste an Chancen und Auf-gaben. Wer sich dem verweigert, ist nicht nur halsstarrig, sondern kann nicht rechnen und erweist sich als schlechter Manager seines Unternehmens. Die Treue zum alten Antrieb bringt keine Rendite, der Einsatz des Verstandes dafür zahlt sich in Marge aus.

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Journalist

Kurt Sigl

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