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Rechtsanwalt Christian Solmecke, Partner der Kölner Medienrechtskanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE DIGITALISIERUNG

Eine neue Welle der Fake-Abmahnungen

Die Kölner IT- und Medienrechtsanwalt Christian Solmecke beobachtet eine eklatante Zunahme von sogenannten Fake E-Mail Abmahnungen, die anscheinend von Rechtsanwaltskanzleien stammen. Über diese neue Masche und was man tun kann sprachen wir mit dem IT- und Rechtsspezialisten.

Herr Dr. Solmecke, es gibt eine neue Form von E-Mail-Abmahnungen, die immer wieder bei Unternehmen oder auch bei Privatpersonen in den E-Mail-Postfächern auftauchen…

Ja, richtig, wir beobachten das zunehmend, zumal die Urheber diese die Unwissenheit des Verbrauches ausnutzen. Die Abmahnungen werden in verschiedenen Varianten versendet, doch die Betrugs-Masche dahinter bleibt identisch. In den verschiedenen uns vorliegenden Fake-Abmahnungen unterscheiden sich sowohl die Namen der nicht existenten Rechtsanwälte und Rechtsanwaltskanzleien als auch die Absende-E-Mail-Adresse. Das Problem: Einige Kanzleien und Rechtsanwälte gibt es zwar tatsächlich, doch die Kanzleien sind selbst Geschädigte, da ihr Name für die E-Mails missbraucht wurde. Insgesamt sind bereits über 50 Fake-Kanzlei-Namen bekannt, von denen Betroffene die gefälschten Abmahnungen per E-Mail erhalten haben. Und auch die Absende-Adressen variieren in ähnlichem Umfang.

Kann man als „Otto-Normalverbraucher diese E-mails erkennen?

Ja, zumindest am Inhalt, sie sind nämlich weitestgehend identisch. Den Betroffenen wird in den Fake-Abmahnungen vorgeworfen, dass über ihren Internetanschluss Urheberrechte verletzt wurden. Dabei handelt es sich um Streaming-Dienste, über die die vorgeblich Porno-Filme angesehen worden sein sollen.

Einzig die angeblich gestreamten Filmtitel, allesamt Porno-Filme, sowie die genannten Ermittlungsdaten unterscheiden sich. Bei den Ermittlungsdaten werden Daten, bestehend aus Produktname, Datum/Uhrzeit, Benutzerkennung und IP-Adresse, aufgelistet. Die angeblich ermittelten Daten gaukeln vermeintliche Seriösität vor, sind jedoch allesamt gefälscht.

Was macht die neue Welle aus?

Bei bisherigen Fake-Abmahnungen gab es stets wenige Varianten, die sodann massenweise an Betroffene versendet wurden. So konnten wir schnell und gezielt Betroffene vor den Abmahnungen warnen. Diese Welle der Fake-Abmahnungen hat jedoch eine neue Dimension erreicht, da nahezu jeder Betroffene von einer neuen Rechtsanwaltskanzlei sowie einer neuen Absender-Mail-Adresse die E-Mail zugestellt bekommt. Zudem werden die Betroffenen mit persönlicher Anrede angeschrieben und auch die vermeintlich ermittelten - aber gefälschten - Daten sind individuell angepasst. Dies erschwert es, Betroffene gezielt zu warnen.

Was soll man als Betroffener tun?

Sofern auch Sie glauben eine Fake-E-Mail erhalten zu haben, raten wir Ihnen dringend dazu, keinesfalls angehängte Dateien zu öffnen und nicht auf die E-Mail zu reagieren. Die E-Mail sollte umgehend gelöscht und aus dem Postfach entfernt werden. Und selbstverständlich soll nicht bezahlt werden, denn ansonsten ist das Geld auf Nimmerwiedersehen weg.

Fakten

Rechtsanwalt Christian Solmecke ist Partner der Kölner Medienrechtskanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und ein Experte auf dem Gebiet des IT-Rechts. Vor neun Jahren gründete Solmecke zusammen mit Ralf Höcker, Klemens Skibicki und Frank Mühlenbeck das Deutsche Institut für Kommunikation und Recht im Internet (DIKRI) an der Cologne Business School. Solmecke ist Lehrbeauftragter der Fachhochschule Köln für den Bereich „Social Media Recht“.

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Journalist

Frank Tetzel

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