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Ralph Schneider-Maul, Head of Digital Manufacturing bei Capgemini Invent Anzeige

Die Reise in die Zukunft hat begonnen

Nachhaltigkeit schont die Umwelt und senkt zugleich die Produktionskosten der Industrie, sagt Ralph Schneider-Maul, Experte für Digital Manufacturing.

Wir alle sollten inzwischen erkannt haben, dass wir unser Verhalten ändern müssen, wenn wir das Überleben in Wohlstand der zukünftigen Generationen sichern wollen.

Das Stichwort Nachhaltigkeit ist heute in aller Munde. Welchen Stellenwert hat es für Unternehmen?

Es gibt sicher Unternehmen, die in erster Linie gut aussehen wollen, wenn sie betonen, dass sie nachhaltig produzieren und arbeiten. Aber gerade die führenden Unternehmen meinen es inzwischen sehr ernst mit ihren Anstrengungen in Sachen Nachhaltigkeit. Es ist ein Teil ihres Geschäftsmodells geworden. Ich denke, man kann hier beispielsweise Bosch, Porsche, VW oder Airbus nennen.

Was tun solche Unternehmen zum Beispiel?

Es gibt viele Beispiele, wo Unternehmen sehr ernsthafte Anstrengungen unternehmen nachhaltiger zu produzieren – und dabei gleichzeitg Geld einzusparen: Airbus beispielsweise arbeitet an der Verwendung neuer, nachwachsender Materialien, die erdöl-basierte Materialien ersetzen sollen. Porsche baut seine neuen Fabriken auf  den Grundlagen smart, lean und grün und VW wiederum verpflichtet zum Beispiel seine Zulieferer, möglichst nachhaltig zu produzieren. Wer dies nicht nachweisen kann, wird bei der Auftragsvergabe nicht berücksichtigt.

Gleichzeitig herrscht aber ein großer  Kostendruck. Sind umweltfreundliches  Produzieren einerseits und kostengünstiges andererseits nicht unvereinbar?

Ganz im Gegenteil. Gerade solche großen Unternehmen, wie diejenigen, von denen ich gerade sprach, haben inzwischen begriffen, dass sie mit nachhaltigem Produzieren Geld sparen können, teilweise sogar erhebliche Summen. Das macht Nachhaltigkeit in einer Zeit, in der sich viel um den Kostendruck dreht, noch interessanter.

Was tun solche Unternehmen denn zum Beispiel?

Es gibt energieintensive Unternehmen, die ihren Verbrauch deutlich senken – dazu gehört zum Beispiel Bosch – das veröffentlichte Ziel ist, bereits 2020 CO2-neutral zu werden. Der Energieverbrauch und damit auch der CO2-Ausstoß steht derzeit sicher im Vordergrund. Ein anderes Beispiel aus der Praxis: Volvo hat die Dächer seiner Fabrik in Gent komplett mit Solarpanels ausgestattet und jetzt produziert die Fabrik den Strom, den sie benötigt, selbst. Finanziert wurde das übrigens durch Crowd Funding der Mitarbeiter, die jetzt ihren Einsatz verzinst bekommen.

Energie ist das eine, aber kann man nicht auch beim Material sparen?

Auch an dieser Stelle erkennen wir inzwischen einen Trend. Es gibt Unternehmen, die viel Material verbrauchen und, wie zum Beispiel Renault, durch Recycling Kosten sparen. Im Metall verarbeitenden Gewerbe ist das Thema Recycling übrigens gar nicht neu, sondern steht schon seit 15 oder 20 Jahren auf der Tagesordnung. Eher noch am Anfang stehen wir aber bei einem sehr spannenden Trend – dem Verbrauch nachwachsender Rohstoffe wie Algen statt erdölbasierter Materialien. Das ist erheblich günstiger und natürlich viel umweltfreundlicher. Zurzeit ist hier noch keine Massentauglichkeit vorhanden, aber die Forschung läuft – die Reise in die Zukunft hat begonnen.

Wir leben ja im Zeitalter der Digitalisierung. Bietet sie neue Möglichkeiten?

Die Digitalisierung kann beispielsweise enorm beim Energieverbrauch helfen. Denn sie ermöglicht Unternehmen nicht nur das massenhafte Sammeln von Daten, sondern auch deren Auswertung und Analyse. Dadurch können viel schneller als früher Fehlentwicklungen entdeckt und beseitigt oder auch Probleme vorhergesagt werden, bevor sie überhaupt entstehen.

Wie sieht es denn in der deutschen Schlüsselindustrie, also der Automobilproduktion, aus?

Die Autoindustrie ist ganz vorne mit dabei, wenn auch nicht alleine führend. Nur ein Beispiel: Die Autohersteller bemühen sich inzwischen mit sehr viel Engagement und Investitionen, den (chemischen) Abfall, der beim Lackieren entsteht, zu verringern. Das senkt die Kosten und schont die Umwelt. Ein weiterer Grund ist sicher, dass die nachwachsenden Generationen solch ein Engagement immer stärker verlangen, und darauf muss die Industrie reagieren.

Also hat hier die Fridays-for-Future-Bewegung einen Einfluss auf die Industrie?

Ich denke, das kann man so sehen. Wir alle sollten inzwischen erkannt haben, dass wir unser Verhalten ändern müssen, wenn wir das Überleben in Wohlstand der zukünftigen Generationen sichern wollen. Das ist für die Industrie ein starker Treiber geworden. Dazu kommt auch der Gedanke, dass man die nachwachsenden Generationen für neue Produkte nur noch dann begeistern kann, wenn sie nachhaltig sind.

Allerdings: Eine völlig klimaneutrale  Produktionsweise wird es doch niemals geben können, oder?

Das ist richtig. Zu 100 Prozent nachhaltig werden wir wahrscheinlich nie produzieren können. Der aktuelle Entwicklungsstand bei Materialien und Prozessen ist noch nicht soweit, dass man realistisch von einer 100 % nachhaltigen Fertigung träumen kann. Aber es ist gut, dass durch die verschiedenen weltweiten Initiativen aus der Gesellschaft heraus der Anstoß für ein Umdenken gegeben ist.

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Journalist

Armin Fuhrer

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