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Die deutsche Kultur ist so vielfältig, dass garantiert jede:r das besichtigen und besuchen kann, was für ihn:sie interessant ist. Hier zu sehen: Die Karl-Theodor-Brücke, besser bekannt als Alte Brücke mit Schloss Heidelberg im Hintergrund. REISEN & ERLEBEN

„Ich bin dann mal weg“

Um Kultur zu erleben, muss man nicht unbedingt ins Ausland reisen. Auch in Deutschland gibt es viele sehenswerte Orte, die für Städte-trips ideal sind. 

Corona hat die Kultur für lange Zeit lahmgelegt: Konzerte, Lesungen, Ausstellungs-, Theater- und Kinobesuche wie auch der Besuch kultureller Stätten waren von heute auf morgen leider nicht mehr möglich. Aber nun ist es soweit: Museen, Kinos und Theater haben wieder geöffnet und wir können endlich wieder „in Kultur“ machen. Auch einige Konzert- und Festivalveranstalter stellen hier und da Veranstaltungen auf die Beine – mit Hygienekonzept und zumeist mit wenig Publikum. Aber immerhin. Es läuft wieder, und das bleibt hoffentlich auch so! 

Ob bahnbrechende Begeisterung oder fassungsloses Staunen, Heiterkeit oder Melancholie: Es sei das Kaleidoskop der gemeinsam erlebbaren Emotionen, welches die Faszination von Live-Konzerten ausmache, sagt der Intendant der Intendant der Bremer Philharmoniker, Christian Kötter-Lixfeld: „Kultur braucht Nähe und Kulturschafft Nähe“, so die feste Überzeugung des Intendanten, der damit vielen anderen Kulturschaffenden aus der Seele spricht.

Weil die Kultur in allen ihren Facetten wieder live erlebt werden kann, sind Städtetrips zurzeit „en vogue“. Wie gut, dass es in Deutschland so viel zu entdecken gibt: Die 51 Unesco-Welterbestätten sind allemal einen Besuch wert. „Tatsächlich so viele sind es?“, werden sich jetzt viele fragen. Die Antwort: „ Ja!“ Denn Deutschland gehört zu den Ländern mit den meisten UNESCO-Weltkulturerbestätten weltweit. Und es werden immer mehr. In diesem Jahr hat das Welterbekomitee beispielsweise die SchUM-Stätten in Speyer, Worms und Mainz zum UNESCO-Welterbe ernannt. Die drei Städte bildeten im Mittelalter das Zentrum des Judentums in Europa. Von ihrer wechselvollen Geschichte erzählen bis heute Bauwerke und Friedhöfe wie der Speyerer Judenhof, der Wormser Synagogenbezirk sowie die alten jüdischen Friedhöfe in Worms und in Mainz: Sie gehören zu den ältesten Zeugnissen jüdischen Lebens in Deutschland. Ebenfalls neu auf der Liste und unbedingt einen Besuch wert ist die Mathildenhöhe Darmstadt. Üppige Jugendstil-Ornamentik neben reduzierten Fassaden, neues Wohnen in durchdesignten Häusern: Die Kunstschaffenden auf der Darmstädter Mathildenhöhe legten den Grundstein für das, was das Bauhaus später perfektionierte und was heute mit dem Begriff des Neuen Bauens verbunden wird. Apropos Bauhaus: Bereits 2017 hat das Unesco-Welterbekomitee die deutsche Welterbestätte Bauhaus erweitert: Neben den Bauten in Weimar und Dessau zählen seitdem auch die ehemalige Gewerkschaftsschule in Bernau und fünf Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau dazu. Weitere spannende Neuzugänge aus den letzten Jahren: der Naumburger Dom aus dem 13. Jahrhundert und die archäologische Stätte Haithabu in Schleswig-Holstein, die Relikte einer Handelsstadt aus dem ersten und frühen zweiten Jahrtausend nach Christus umfasst. Hier gibt es unter anderem auch ein Wikinger-Museum, ein Muss für Fans der Wikinger-Saga „Vikings“. Als erste Weltkulturerbestätte in Deutschland wurde 1978 übrigens der Aachener Dom in die Unesco-Liste aufgenommen. Kaiser Karl der Große ließ den monumentalen Kirchenbau im Jahr 800 errichten. 

Fachleute schätzen, dass es in Deutschland rund 1,3 Millionen Kulturdenkmäler gibt. Dazu gehören prächtige Burgen und Schlösser, Kirchen und Klöster, rostige Industriedenkmäler, romantische Altstädte, moderne Architektur sowie herrliche Gärten. Perfekt für einen Wochenendausflug sind beispielsweise das Gartenreich in Dessau-Wörlitz, der Fürst Pückler Park in Bad Muskau, der Luisenpark in Mannheim oder der Barockgarten in Großsedlitz. Auf den Spuren royaler Herrschaften lässt sich bestens auf Burg Hohenzollern in der Schwäbischen Alb, im Heidelberger Schloss, im Schloss Linderhof im Oberammergau, im Schloss Neuschwanstein in Bayern oder im Schloss Charlottenburg in Berlin wandeln. 

Kultur „en masse“ findet sich auch in den pulsierenden deutschen Metropolen wie Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf oder Köln, wo das Leben längst wieder an Fahrt aufgenommen hat. Hier locken insbesondere die Szeneviertel mit ihren extravaganten Läden und einer lebendigen Kulturszene. Vor allem aber beherbergen die deutschen Metropolen einzigartige Sehenswürdigkeiten und kulturelle Schätze aus allen Epochen. Dabei sind auch kleinere Städte durchaus sehenswert: Nürnberg lockt mit seiner mittelalterlichen Altstadt, Lübeck mit dem Holstentor oder Dresden mit dem berühmten Zwinger. Und nicht zu vergessen: die Hansestädte Wismar und Stralsund, Koblenz im Mittelrheintal mit der Festung Ehrenbreitstein sowie Regensburg mit seinem mittelalterlichen Handelszentrum. Auch die rostigen Relikte der Industriegeschichte zählen zum Welterbe: Die Zeche Zollverein in Essen als repräsentatives Beispiel für die Entwicklung der Schwerindustrie in Europa, ebenso die Völklinger Hütte als einzige erhaltene Eisenhütte in Westeuropa. Und die imposante Backsteinkulisse der Hamburger Speicherstadt gilt als größtes zusammenhängendes Speicherensemble der Welt. Und wann brechen Sie zu Ihrem nächsten Städtetrip auf?

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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