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Urbane Logistik neu denken

Nicht nur die Debatte um den Dieselmotor und mögliche Fahrverbote haben der Diskussion über die modernen Lieferverkehre in urbanen Räumen einen weiteren Schub gegeben.


Durch die Zunahme des Online-Handels ist ein weiterer Druck entstanden, da in den vergangenen Jahren die Verkehrs- und Umweltbelastungen durch Kurier-, Express- und Paketdienste vor allem in Städten stark zugenommen hat. Besonders die engen Straßen in den Zentren, aber auch in vielen Wohnquartieren und Siedlungen, sind für Verkehrsteilnehmer inzwischen zum Hindernisrennen geworden. So müssen Lieferdienste oder Kurierfahrer ihre Fahrzeuge häufig in der zweiten Reihe, teilweise sogar mitten auf der Strasse abstellen, um ihre Waren ausliefern zu können. Da ist der Ärger vorprogrammiert. Zudem gibt es Schätzungen, dass sich die Zahl der Pakete in Deutschland bis 2025 verdoppeln könnten, so dass Lösungen dringend erforderlich sind.

Lagerhaltung

Bislang befinden sich viele Lager außerhalb der großen Städte, innerstädtische Lagerflächen sind selten und vor allem teuer. Um jedoch eine umweltfreundliche und kundenorientierte Logistik zu gewährleisten, sind neue Ansätze notwendig.

So diskutiert man beispielsweise über die Nutzung von Tiefgaragen als Umschlagplatz für Waren. Auch Rohrpostanlagen sind wieder im Gespräch, in Bochum befindet sich derzeit eine Pilotanlage im Test.

Während in ländlichen Räumen eine Belieferung mit Drohnen, wie sie etwa auf Juist erprobt werden, durchaus Sinn macht, sehen Experten dies für städtische Räume eher skeptisch.

Elektrifizierung ist ein Trend

Hier setzt man eher auf Elektrifizierung, wie etwa der Erfolg der Street-Scooter beweisen. So verzeichnet die Deutsche Post bei ihren eingesetzten Fahrzeugen eine jährliche Einsparung von über 16.000 Tonnen CO2 sowie 60 bis 80 Prozent geringere Kosten für Wartung und Verschleiß gegenüber vergleichbaren konventionellen Fahrzeugen.

Lastenräder

Und eine weitere Entwicklung wird in den urbanen Räumen zunehmen: Der Einsatz von Lastenrädern, ebenfalls meist elektrisch als Pedelec betrieben. Die Stärken des Lastenrads kommen besonders dort zum Tragen, „wo kleinere Pakete zu Privatkunden in eng begrenzten Gebieten mit hohem Parkdruck ausgeliefert werden müssen. Dies sind meist gründerzeitliche Wohngebiete in Großstädten oder Stadtzentren mit hoher Einwohnerdichte“, wie man beim ADAC sagt. Die Belieferung gewerblicher Kunden komme allerdings mit Lastenrädern weniger in Frage, da viele Pakete zu schwer und zu groß seien. Städte könnten die Lastenrad-Projekte fördern, indem sie an geeigneten Standorten Flächen für Mikro-Depots einrichten oder Fußgängerzonen für die Lieferfahrräder öffnen bzw. die Lieferzeitfenster ausweiteten.

Konnektivität

In Zeitalter der Digitalisierung kommt Konnektivität der Fahrzeuge untereinander eine besondere Bedeutung zu. Das intelligente Lieferfahrzeug optimiert sowohl logistische Abläufe und vermeidet mit neuen Assistenzsystemen Verkehrsunfälle. Mit Hilfe von Echtzeitinformation und -kommunikation ließen sich - ein einheitlicher Standard vorausgesetzt - Liefer- oder Entsorgungsverkehre, ÖPNV und Individualverkehr harmonisieren.    

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Journalist

Frank Tetzel

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