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Mario Ohoven, Präsident Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) und Präsident European Entrepreneurs (CEA-PME), Brüssel UNTERNEHMERTUM

Starker Mittelstand

Deutschland verdankt seine Wirtschaftskraft dem Mittelstand.

Deutschland verdankt seine Wirtschaftskraft dem Mittelstand. Hierzu zählen 99,6 Prozent der insgesamt rund 3,6 Millionen Unternehmen. Unsere Klein- und Mittelbetriebe bilden acht von zehn Azubis aus und beschäftigen verlässlich 60 Prozent der Arbeitnehmer, auch in Krisenzeiten.

Traditionell verwurzelt in der Region, stellen sich mittelständische Unternehmer der Internationalisierung. Sie schätzen ihre Fachkräfte und nehmen gesellschaftliche Verantwortung vor Ort wahr. Mittelständische Unternehmer denken in Generationen, nicht in Quartalszahlen wie Konzerne. Traditionsbewusstsein und unternehmerischer Mut, Flexibilität, Kundennähe und Innovationsstärke, diese Eigenschaften zeichnen unseren Mittelstand aus. 

Der starke Mittelstand ist Wirtschaftsmotor und Innovationstreiber zugleich. Die Mehrzahl der rund 60.000 Patente, die jährlich angemeldet werden, kommt aus dem Mittelstand. Und 1.300 mittelständische Unternehmen zählen als „Hidden Champions“ zu den Weltmarktführern. 

Auch in der Außenwirtschaft fungiert der Mittelstand als Vorreiter. Rund 98 Prozent der 350.000 deutschen Exporteure sind mittelständische Unternehmen. Mit innovativen Produkten erschließen sie sich schon heute die Märkte von morgen. „Think global, act local“, lautet ihr Erfolgsgeheimnis.

Eine der größten Herausforderungen für den Mittelstand stellt die Digitalisierung dar. Deutschland weist die dritthöchste Roboterdichte der Welt auf – und hat dennoch einen neuen Beschäftigungsrekord aufgestellt. Neue Automatisierungsansätze der Industrie 4.0 setzen auf die Kombination spezifisch menschlicher und maschineller Stärken. Durch die fortschreitende Automatisierung werden Berufe in der Regel nicht entfallen, sondern sich verändern. 

Gerade für den Mittelstand bietet die digitale Vernetzung enorme Potentiale, wie die Möglichkeiten der individuellen Fertigung, also der kostengünstigen Produktion mit Losgröße eins. Im Mittelstand gibt es vor allem enge Kundenbeziehungen, genau diese werden bei kleineren Betrieben geschätzt. Durch Digitalisierung können sie intensiviert werden. Hinzu kommen enorme Einsparmöglichkeiten durch frühzeitige Wartungsarbeiten sowie den Einsatz von Messtechnik und Sensorik im Betrieb.

Mittelständler brauchen Beispiele, an denen sie sich orientieren können, die ihnen von den Ressourcen, finanziellen Mitteln oder der Betriebsgröße her vergleichbar sind. Wir als BVMW unterstützen sie dabei, beispielsweise durch das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Berlin. Dort erfahren die Unternehmer praxisnah, wie sie von Arbeit 4.0 profitieren können.

Von der Politik erwartet der Mittelstand mehr Unterstützung. Als vorrangige Aufgaben der Bundesregierung nannten die Unternehmer in einer Umfrage unseres Verbandes investitionsfreundlichere Rahmenbedingungen, Verbesserung der Infrastruktur, vor allem aber Abbau von Bürokratie. Kein Wunder bei Bürokratiekosten für die Wirtschaft von über 45 Milliarden Euro jährlich. 

Deutschland braucht zudem ein Wagniskapitalgesetz für innovative Klein- und Mittelbetriebe sowie endlich eine steuerliche Forschungsförderung wie in 28 von 35 OECD-Ländern. „Soli“ und Erbschaftsteuer gehören sofort abgeschafft. Damit ein starker Mittelstand auch 2018 verlässlich seine Rolle als Wachstums- und Beschäftigungsmotor in unserem Land erfüllen kann.

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Journalist

Mario Ohoven

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