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Viele Menschen befürchten durch Homeoffice und Homeschooling hohe Stromnachzahlungen. NACHHALTIG FÜR DIE UMWELT

Der Strom des eigenen Dachs wird der günstigste sein

Der Übergang von fossilen Brennstoffen in ein von Erneuerbaren Energien getragenes Energiesystem ist eine Herausforderung, an deren Lösung eine Vielzahl von Akteurinnen und Akteuren beteiligt sind. Um belastbare Ergebnisse und Erkenntnisse zur Energiewende bereitzustellen und daraus faktenbasierte, politisch umsetzbare Wege zu entwickeln, wurde im Jahre 2012 der Think Tank Agora Energiewende ins Leben gerufen. Die aktuell rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben seither eine Vielzahl energiepolitischer und energiewirtschaftlicher Vorschläge entwickelt und publiziert. 

Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende; Foto: Presse

Ein spürbarer Nebeneffekt der Energiewende sind die gestiegenen Stromrechnungen, bedingt durch die Kosten aus den Anfangsjahren der Erneuerbare-Energien-Förderung. Und gerade jetzt, nach einem Jahr Pandemie mit Homeoffice und Homeschooling, befürchten viele Menschen hohe Nachzahlungen. Wie kann man die Haushalte entlasten? „Wichtig ist, dass die Bundesregierung den Strom billiger macht“, sagt Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. „Indem sie die EEG-Umlage und andere Abgaben, Umlagen und Steuern reduziert oder sogar ganz abschafft. Denn Strom ist in Deutschland nur so teuer wegen der vielen Abgaben, Umlagen und Steuern. Außerdem können Privathaushalte ihre Stromkosten deutlich reduzieren, indem sie ihn auf dem eigenen Dach produzieren. Wer in Zukunft seine Solaranlage mit der Wärmepumpen-Heizung und vielleicht sogar noch einem Stromspeicher kombiniert, lebt am günstigsten.“

Der Gebäudesektor verursacht rund 30 Prozent des jährlichen CO2-Ausstoßes. Für einen emissionsfreien Gebäudebestand muss sich unter anderem die jährliche Sanierungsrate von derzeit einem Prozent verdoppeln, fordert Dr. Patrick Graichen. Technisch sei das machbar, Probleme bereite eher der Fachkräftemangel. Die Vorgabe, bis 2050 klimaneutral zu werden, betrifft sämtliche Gebäude im Land, des-halb sollte bei der Sanierung von Beginn an ein klimaneutrales Heizungssystem verbaut werden. „Somit verschwindet die Option einer Erdöl-Heizung. Auch für Erdgas wird es schwierig, denn sauberes Erdgas gibt es kaum. Insofern empfehlen wir, so zu sanieren, dass man mit grünem Strom heizen kann, am besten mit einer hocheffizienten Wärmepumpe.“ Da aufgrund des Brennstoffemissionshandelsgesetzes fossile Brennstoffe zum Heizen und als Kraftstoff stetig teurer werden, rät der Experte, sich frühzeitig Alternativen zu suchen. 

Die Einnahmen aus der neuen CO2-Abgabe fließen in zwei Bereiche: Zum einen in die Finanzierung von Förderprogrammen, denn die energetische Sanierung wird deutlich gefördert. Auch wer eine klimafreundliche Heizung und eine Wärme-pumpe einbaut, kann einen Zuschuss über 40 Prozent erhalten. Zum anderen in die Senkung des Strompreises – was leider noch nicht erkennbar ist, so Dr. Graichen. Aber in den kommenden Jahren werde der Effekt immer deutlicher werden.

„Öl- und Gasheizungen haben in einem klimafreundlichen System ausgedient“, betont der Agora-Geschäftsführer. „Es ist jetzt schon notwendig, in Richtung Klimaneutralität zu denken. Angesichts von steigenden CO2-Preisen garantieren nur klimaneutrale Technologien langfristig Bezahlbarkeit.“

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Journalist

Katja Deutsch

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