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Alarmierende Suchterkrankungen

Viele Deutsche sind süchtig nach Zigaretten, Alkohol oder ihrem Handy. Wie Sucht vorgebeugt, erkannt und den Betroffenen geholfen werden kann.

Legale Drogen sind für den größten Teil der Suchtproblematik in Deutschland verantwortlich.

Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sind gesundheitsschädlich. Das wissen wir alle, und doch können viele nicht davon lassen. Dabei sind die Grenzen zwischen vermeintlich harmloser Gewohnheit, Missbrauch und Abhängigkeit oft fließend. „Sucht ist kein Randproblem in der Gesellschaft, sondern betrifft viele Menschen in Deutschland. Mit dem Begriff Sucht sind nicht nur die Abhängigkeitserkrankungen gemeint, sondern die Gesamtheit von riskanten, missbräuchlichen und abhängigen Verhaltensweisen in Bezug auf Suchtmittel (legale wie illegale) sowie nicht stoffgebundene Verhaltensweisen (wie Glücksspiel und pathologischer Internetgebrauch)“ – so steht es auf der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit.

Fällt das tägliche Feierabendbier also schon unter Alkoholsucht? Wenn es „ohne“ nicht mehr geht, wahrscheinlich schon. Bei Suchterkrankungen funktioniert die Selbstkontrolle nicht mehr. Viele Betroffene unterschätzen oder verdrängen den Suchtcharakter ihres Verhaltens. Auch Eltern oder Partner realisieren oft erst spät, dass ihr Kind oder Partner süchtig ist – nach was auch immer. Dabei nennt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) insgesamt sechs Anzeichen, die auf eine Sucht hindeuten können und sich auf sämtliche Suchtarten übertragen lassen (siehe Kasten).

Bei Kindern und Jugendlichen ist das Thema Sucht besonders dramatisch. Überforderung, Gruppenzwang sowie negative Vorbilder lassen viele immer früher zu Rauschmitteln greifen. 22 309 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren wurden 2016 aufgrund akuten Alkoholmissbrauchs in Krankenhäusern stationär behandelt. Mit einem frühen Konsumeinstieg ist die hohe Wahrscheinlichkeit für missbräuchliche Konsummuster verbunden, warnt die Verein Keine Macht den Drogen e. V.

Ebenso alarmierend sind die Zahlen zu Handy- und Internetkonsum in dieser Altersgruppe. Auch exzessive Internetnutzung kann zu abhängigem Verhalten führen: Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass in Deutschland etwa 560 000 Menschen (auch Erwachsene) onlineabhängig sind. So war das Thema Internetabhängigkeit dann auch bereits 2016 Jahresschwerpunkt der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler. 

Folgerichtig sind Suchtprävention und Suchthilfe die beiden Schwerpunkte der entsprechenden Ministerien und Verbände, deren zentrale Dachorganisation der DHS darstellt. Auf dessen Webseite (www.dhs.de) finden Betroffene neben vielen Informationen auch eine Datenbank für ambulante Suchtberatungsstellen und stationäre Suchthilfeeinrichtungen. Vielen Rauchern gelingt die Entwöhnung aber sogar ohne professionelle Hilfe. Dennoch bezahlen die Krankenkassen verhaltenstherapeutische Gruppenprogramme als Präventionsleistung. Bei Alkohol- oder Drogensucht sollte gemeinsam mit dem Arzt entschieden werden, ob der Besuch einer Beratungsstelle oder die Einweisung in eine Entzugsklinik notwendig ist.

Fakten

6 Suchtmerkmale

 •    Starker Wunsch oder Zwang, eine Substanz zu konsumieren oder etwas immer wieder zu tun
•    Kontrollverlust, Unfähigkeit zur Abstinenz
•    Toleranzbildung: immer größere Mengen einer Droge für gleichen Effekt nötig
•    Rückzug aus dem Sozialleben, Lebensmittelpunkt kreist um die Sucht
•    Körperliche Entzugserscheinungen

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Journalist

Kirsten Schwieger

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