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Felix Thönnessen, Erfolgscoach und Unternehmer UNTERNEHMERTUM

Durch die Wüste statt ins Schlaraffenland

„Um ein Startup zu gründen, braucht man nicht nur eine Idee und ein Marketingkonzept“, sagt Experte Felix Thönnessen. „Nötig ist auch viel Ausdauer.“

Eine Gründung ist eher ein Gang durch eine karge Wüste als der Weg ins Schlaraffenland.  

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist zwar sehr gut, doch viele Menschen möchten lieber ihre eigene Chefin oder ihr eigener Chef sein – und gründen daher ein Startup. Längst nicht immer stehen die erhofften Millionen im Fokus, wenn der Laden dann erst einmal so richtig brummt. Viele Gründer möchten einfach ein selbstbestimmteres Leben führen. Doch bevor man loslegt, ist einiges zu beachten. „Ganz wichtig ist es, eine gute Idee für eine Dienstleistung oder ein Produkt zu haben“, sagt Experte Felix Thönnessen. Der 38-Jährige hat vier Jahre lang die Kandidaten, die an der VOX-Show „Die Höhle des Löwen“ teilnehmen und dort, in der Hoffnung auf Kapitalgeber, ihre Idee für ein Startup präsentieren, beraten.

„Bevor man loslegt, sollte man sich fragen, ob es für die Dienstleistung oder das Produkt einen Markt geben könnte“, so Thönnessen. Der Autor des Werkes „Arbeitsbuch Startup: Das 7-Stufen-Programm“ rät dazu, möglicherweise erst einmal mit einer kleinen Variante den Markt an zu testen und dann zu entscheiden, ob man weitermachen wolle. Nicht zuletzt ist die Gründung eines Startups ja auch eine Geldfrage. Da hat Thönnessen eine gute Nachricht: „Es gibt heute mehr Wege und Möglichkeiten, an Startkapital zu kommen denn je“. Ob Familie und Freunde, Mitgründer, die das Kapital mitbringen, Förderprogramme vom Bund oder den Ländern, Business Angel oder Crowdfunding – Möglichkeiten gibt es viele. Trotzdem ist das Einsammeln von Kapital kein Zuckerschlecken. „Das schafft man nicht in einer Woche“, warnt Thönnessen vor allzu optimistischen Erwartungen. Unerlässlich sind nach seiner Ansicht vor allem auch zwei weitere Dinge. Zum einen ein gutes Marketingkonzept. „Viele Gründer, die scheitern, scheitern an einer fehlenden oder schlechten Marketing- und Vertriebsstrategie“. Im Zweifel sollte man nicht auf Hilfe von Externen wie einer Agentur verzichten. „Auf keinen Fall sollte man zur Selbstüberschätzung neigen und denken, man könne das alles alleine“. Zum anderen braucht es ganz persönliche Stärken, wenn man sich mit seiner Gründung am Markt durchsetzen will. Man sollte sich fragen, ob man die nötige Ausdauer hat, kritik- und beratungsfähig ist und ob man mit den Höhen und Tiefen des Gründerdaseins auskomme. „Eine Gründung ist eher ein Gang durch eine karge Wüste als der Weg ins Schlaraffenland“.

Gerade auf dem Gebiet der Kritik- und Beratungsfähigkeit sieht Thönnessen nicht selten Gründerinnen im Vorteil. „Frauen können oft mit Beratung und Kritik besser umgehen als Männer. Sie sind häufig umgänglicher und flexibler“, schildert er seine persönliche Erfahrung. Daher findet er es auch schade, dass der Anteil der Frauen bei den Startups nach wie vor deutlich geringer ist als der der Männer. Vor allem beim technologischen Online-Marketing liege der Anteil der Männer bei bis zu 90 Prozent. „Ich finde oftmals überhaupt keine Frauen, die sich auf diesem Gebiet bewegen“. Gründerinnen konzentrierten sich demgegenüber eher auf „weiche“ Themen wie Coaching, Ernährung oder Work-Life-Balance. Doch auch wenn Thönnessen durchaus Unterschiede zwischen Gründerinnen und Gründern sieht, ist eins für ihn klar: „Man kann das Thema Gründung nicht genderspezifisch betrachten – es gibt ganz unterschiedliche Frauen und ganz unterschiedliche Männer“.

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Journalist

Armin Fuhrer

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