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Transparenz und Zukunftsfähigkeit

Was es mit dem von ihr entwickelten Nachhaltigkeitszertifikat BNK auf sich hat, erläutert die Professorin und Energieberaterin Prof. Dr.-Ing. Natalie Eßig im Interview.

Für das BNK-Zertifikat bekommen Bauherren einen von uns ausgebildeten und zertifizierten Auditor zur Seite gestellt.

Prof. Dr.-Ing. Natalie Eßig, Bau-Institut für Ressourceneffizientes und Nachhaltiges Bauen GmbH (BiRN), Foto: Fotographin: Nicole Zausinger, Hochschule München

Was steht hinter dem BNK-Zertifikat?

Das Bewertungssystem BNK wurde in die Liste der Bewertungssysteme und Zertifizierungsstellen der QNG-Siegelvarianten für Ein- bis Fünffamilienhäuser aufgenommen. Anhand vergleichbarer Zahlen und Fakten zeigt es die tatsächliche nachhaltige Qualität eines Eigenheimes auf. 

Warum wurde es ins Leben gerufen?

Zielsetzung des Siegels ist, das nachhaltige Bauen in Deutschland landesweit zu fördern. Wer heutzutage ein Haus baut, hat konkrete Vorstellungen und Ziele, bekommt aber vom Bauträger oder den ausführenden Firmen nach dessen Fertigstellung meist wenig Informationen, ob diese in dem finalen Gebäude tatsächlich realisiert wurden. Anhand unseres Nachhaltigkeitszertifikats können Bauherren die Stärken und Schwächen ihrer Häuser ablesen und Qualitätskriterien in Bezug auf Umwelt, Kosten, Barrierefreiheit etc. objektiv vergleichen.

Wie profitieren Bauherren konkret davon?

Für das BNK-Zertifikat bekommen Bauherren einen von uns ausgebildeten und zertifizierten Auditor zur Seite gestellt, meist sind das Architekten oder Energieberater mit einer Zusatzausbildung zum Thema Nachhaltigkeit. Dieser berät den Bauherren von der Planung über die komplette Ausführung. So stellt der Auditor beispielsweise sicher, dass genau die nachhaltigen Materialien verbaut werden, die sich der Bauherr gewünscht hat oder dass die Heizung mit erneuerbaren Energien so funktioniert wie angedacht. All das dokumentiert der Auditor – momentan ist das nämlich ein großes, schwarzes Loch. Nach der Fertigstellung des Gebäudes übergibt er dem Bauherren die komplette Gebäudeakte und stellt das Zertifikat aus.

Wie viele Kriterien umfasst es?

Innerhalb der Entwicklungszeit des Siegels wurden 19 objektive Bewertungskriterien für die nachhaltige Qualität von Ein- bis Fünffamilienhäusern entwickelt. Drei Hauptkriterien stehen dabei im Fokus: Gesundheit, Umweltfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit. So geht heutzutage jeder davon aus, dass verbaute Bauprodukte oder die aus dem Baumarkt umweltfreundlich und gesund sind. Aber das ist nicht so. Oftmals wissen wir weder, woher die kommen, noch, wer sie gemacht hat. Unsere Auditoren prüfen das anhand umfangreicher Checklisten. Mit Hilfe dieser wird auch geprüft, wie viel CO2 beziehungsweise graue Energie bei der Herstellung der Materialien angefallen ist. Unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit schauen wir nicht nur auf die Bau-, sondern auch auf die Betriebs- und Instandhaltungskosten.

Was kostet dies, beziehungsweise gibt es finanzielle Förderungen?

Seit 1. Juli dieses Jahres wird das BNK-Zertifikat unter dem NH-Paket in die Bundesförderung Effiziente Gebäude (BEG) aufgenommen und von der KfW übernommen. Je nachdem welchen KfW-Standard man hat, können Bauherren bis zu 10.000 Euro Förderung erhalten. Zusätzlich sind bis zu 5.000 Euro für die Baubegleitung möglich. Allerdings bekommt es nicht jeder, weil die erforderlichen Kriterien auch wirklich umgesetzt werden müssen.

Wie funktioniert die Beantragung bei der KfW?

Das machen die Auditoren zusammen mit einem DENA gelisteten Energieeffizienz-Experten, falls der Auditor nicht selbst ein zugelassener Energieberater ist. Wenn die Bauherren dann die KfW-Bestätigung haben, gehen sie damit zu ihrer Hausbank, welche den Finanzierungsprozess einleitet.

Fakten

Prof. Dr.-Ing. Natalie Eßig leitet das Fachgebiet Bauklimatik und Baukonstruktion an der Architekturfakultät der Hochschule in München, mit dem sie die Kriterien des BNK-Zertifikats entwickelt hat. 2015 gründete sie das Bau-Institut für Ressourceneffizientes und Nachhaltiges Bauen GmbH (BiRN), das als Zertifizierungsstelle für das BNK System tätig ist.

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Journalist

Kirsten Schwieger

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