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Ein Beirat oder Aufsichtsrat kann als Mittler zwischen der Familie und dem Unternehmen fungieren. DIGITALISIERUNG

„Am besten möglichst früh beginnen“

Unternehmer sollten die Regelung der Nachfolge professionell angehen, raten Thomas Sacher und Reinhard Eyring, Partner bei der Anwaltskanzlei Ashurst.

Die wirklich erfolgreichen Familienunternehmen sind diejenigen, die am Anfang einer Nachfolgesuche eine Bedarfsanalyse durchführen.

Reinhard Eyring, Partner bei der Anwaltskanzlei Ashurst, Foto: Presse


Thomas Sacher, Partner bei der  Anwaltskanzlei Ashurst, Foto: Presse

Ist es für einen Unternehmer schwer, einen guten Nachfolger oder eine gute Nachfolgerin zu finden?

Thomas Sacher: Dabei handelt es sich um eine komplexe Angelegenheit. Bei vielen Familiengesellschaften besteht die Tendenz, eine Nachfolge aus der Familie zu finden. Das wäre natürlich der Idealfall, aber das ist oft schwer, denn die in Frage kommenden Personen müssen geeignet sein und auch Interesse haben. Oft gibt es Kinder oder Enkelkinder, die Interesse hätten, aber nicht geeignet sind, ein Unter-nehmen zu führen. Und natürlich gibt es auch die umgekehrte Situation. 

Wie wichtig sind die Strukturen des Unternehmens für die Nachfolgesuche?

Reinhard Eyring: Bei einem Familienunternehmen existiert ein Dreiklang zwischen dem Unternehmen, der Familie und den Gesellschaftern. Oft sind in Unternehmen Governance-Strukturen noch nicht eingeführt und sie spielen eine ganz wichtige Rolle. Wenn das Unternehmen in dieser Hinsicht gut aufgestellt ist, erleichtert das die Suche wesentlich. 

Wann ist der richtige Zeitpunkt, für die Suche?

Sacher: Man sollte damit möglichst schon beginnen, wenn der Patriarch noch nicht in einem höheren Alter ist. Denn je älter man wird, umso schwerer tut man sich manchmal mit der Übergabe. 

Was kann das Unternehmen denn für eine erfolgreiche Suche tun?

Eyring: Die wirklich erfolgreichen Familienunternehmen sind diejenigen, die am Anfang einer Nachfolgesuche eine Bedarfsanalyse durchführen. Dazu gehört ein Nachfolgeplan, und die Frage, welche Interessen das Unternehmen, die Familie und die Gesellschafter haben. Dazu gehört das Aufstellen von Kriterien, die der Nachfolger erfüllen soll. Und es braucht zukunftsträchtige Themen, um einen geeigneten Nachfolger für die Position interessieren zu können. 

Spielt die Größe des Unternehmens eine Rolle?

Sacher: Bei großen Unternehmen kann es mehrere Stämme von Gesellschaftern geben, die zum Teil gar nicht mehr wirklich etwas mit dem Unternehmen zu tun haben. Häufig existieren unterschiedliche Interessen, die man unter einen Hut bringen muss. Auch deshalb ist es wichtig, professionelle Strukturen einzuziehen.

Wer sollte einen Unternehmer bei der Suche nach einer Person für die Nachfolge unterstützen?

Eyring: Sehr hilfreich ist ein Beirat oder Aufsichtsrat, der ein Mittler zwischen der Familie und dem Unternehmen ist. Zusätzlich können professionelle Berater helfen. Gerade sie können wichtige Hilfestellung bei der Aufstellung von Nachfolgekriterien geben. 

Ist es besser, einen Übergang langfristig zu vollziehen oder von einen auf den anderen Tag?

Sacher: Ein allmählicher Übergang ist besser, denn er bietet die Chance, dass der Nachfolger das Unternehmen und seine Strukturen kennenlernt, bevor er in die Verantwortung kommt. Daher kann es Sinn machen, einen Geschäftsführer von außen zu installieren, wenn noch Familienmitglieder im Management arbeiten. 

Fakten

Bis zu 450.000 mittelständische Unternehmen könnten laut KfW-Research in den kommen-den Jahren den Markt verlassen, da sie keinen Nachfolger haben. Diese Zahl sollte nicht geringgeschätzt werden, denn die kleinen und mittelständischen Unternehmen erwirtschaften etwa 35 Prozent des gesamten Umsatzes hierzulande. 

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Journalist

Armin Fuhrer

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