European Media Partner

Unternehmensvorteil Digitalisierung

Die digitale Trendwende ist in vollem Gang. Die Investitionen der deutschen Industrie in Digitalisierungsprojekte steigt immer deutlicher an.

Breitbandverfügbarkeit und -geschwindigkeit sind zentrale Themen.

Die Zahl familiengeführter Unternehmen ist in Deutschland besonders hoch. Nach einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung und des Instituts für Mittelstandsforschung werden sage und schreibe circa 90 % deutscher Betriebe als Familienunternehmen geführt. Als Familienunternehmen verstehen wir über die große Zahl mittelständischer Betriebe hinaus auch die börsennotierten Großunternehmen, sofern Einzelpersonen oder Familien mindestens 30 % der Gesellschaftsanteile oder Aktien halten. Dass diese Unternehmen mit ihrem Traditionsbewusstsein und ihrer Treue zum Standort ein Rückgrat unserer Gesellschaft und unseres Landes sind, ist unbestritten. Aber wie bedroht sind diese Betriebe von der – formulieren wir es einmal überspitzt – in Lichtgeschwindigkeit voranschreitenden Digitalisierung? Wie der Wirtschaftsindex DIGITAL auf Grund seiner Befragungen hochrangiger Entscheider aus 1061 Unternehmen für das Jahr 2018 ausweist, nutzen 72,6 % aller Mitarbeiter der Unternehmen digitale Infrastrukturen und ein Fünftel der Firmen investiert mehr als zehn Prozent des Gesamtumsatzes in weiterführende Digitalisierung. Dabei treiben Cloud Computing, Smart Services, aber auch Robotik und Sensorik sowie der 3D-Druck den Digitalisierungsschub maßgeblich an.

Wenn man einmal bedenkt, dass rund zwei Drittel der Unternehmen, darunter eben auch kleinere mittelständische Betriebe, nicht selten mit Standorten in ländlichen Bereichen, mit seinen Kunden nur noch digital kommuniziert, rückt die Frage der digitalen Zukunftsfähigkeit unseres Lands ins Zentrum. Das setzt die Politik wegen der schlechten Bedingungen der Gegenwart mehr und mehr unter Handlungszwang. Wie allein der Digital- und IT-Spezialist Christian Niederhagemann, der seit Mai 2019 für die Group CIO of GEA tätig ist, einmal kritisierte, seien Breitbandverfügbarkeit und -geschwindigkeit speziell für kleine und mittelständische Unternehmen zentrale Themen. Die durchgängige Verfügbarkeit von mobilem Internet, auch außerhalb der Metropolen, ist nun einmal eine der dringendsten Aufgaben der Politik. Und nicht nur das. Auch die IT-Sicherheit muss gefördert und einheitliche Rechtsrahmen für alle Marktteilnehmer geschaffen werden.

Das betrifft alle Branchen – vom Baugewerbe über die Finanzdienstleister, den Handel, das Gastgewerbe und das Gesundheitswesen bis zum Handwerk, die Immobilienbranche und letztendlich die Industrie. Unbestritten ist bei alledem, dass sich die digitale Transformation auszahlt und dass, vor allem im Mittelstand, der konsequente Ausbau ein Garant für die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen ist. Wie die Studie Digitalisierungsindex der Kasseler techconsult GmbH im vergangenen Jahr ermittelt hat, erzielten 35 % der Unternehmen dieser Branchen durch Digitalisierungsmaßnahmen eine Umsatzsteigerung. Vor allem aber, so belegt diese Quelle auch, konnten die Unternehmen die Kundenzufriedenheit um 45 %, die Produktqualität und den Service ganz deutlich steigen.

Bei aller Bereitschaft der Unternehmen, die Herausforderungen des digitalen Wandels anzunehmen, ist die Umsetzung neuer Technologien und Startups für jeden Einzelnen natürlich auch nicht einfach und zuweilen auch riskant. Es fängt ja schon damit an, dass die für die Umsetzung notwendigen IT-Spezialisten auf dem Markt immer rarer und teurer werden. Ein neues, digitalisiertes Geschäftskonzept sollte sich darüber hinaus auch immer an den bisherigen Geschäftsmodellen orientieren und stets den Kunden und seine Bedürfnisse im Fokus behalten.

Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft hat im März 2019 eine hochinteressante Studie vorgelegt, in der Fallbeispiele erfolgreicher Digitalisierungsideen von mittelständischen Unternehmen vorgestellt werden. Da ist vom Familienunternehmen EMZ Hanauer GmbH die Rede, das zum Beispiel das System einer digitalen Smartphone-App entwickelt hat, mit dessen Hilfe eine kontrollierte, personenbezogene Müllentsorgung realisiert werden kann. In einem anderen Fall wird gezeigt, wie ein traditionelles Maschinenbauunternehmen mit Namen Beumer Group durch die Einführung von sogenannten Augmented-Reality-Brillen den Kontakt zum und die Kommunikation mit seinen Kunden verbessern konnte. Beim Beispiel der Stoll Gruppe GmbH legt das Unternehmen Wert auf die Verbesserung interner Abläufe durch projekt- und prozessgeführte Kommunikation. Will heißen, dass Projekte, die jeden Tag im Wandel begriffen sind, durch ein IT-Tool begleitet werden und alle beteiligten Mitarbeiter damit jeden Tag auf dem neuesten Stand sind. Schließlich ist da noch der Wellpappen-Hersteller BHS Corrugated, der mit Hilfe einer cloudbasierten Plattform den Einsatz seiner Maschinen im Austausch mit den Kunden auf unproblematische Weise zu optimieren verspricht.

Fakten

Die strategische, immer weiter verbesserte Einbindung digitaler Transformation ist zu einem unverzichtbaren Wettbewerbsvorteil geworden. Pfiffige Ideen intelligenter Start-ups erhöhen die Aufmerksamkeit und ziehen weitere Innovation nach sich.

Teile diesen Artikel

Journalist

Helmut Peters

Weitere Artikel