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Von der Tankstelle zur Steckdose

Deutschland als Leitmarkt für Elektromobilität zu entwickeln ist ein Ziel der Bundesregierung. Derzeit sind hier rund eine Million Elektrofahrzeuge unterwegs. 

Doch um die Klimaziele im Verkehr bis 2030 zu erreichen, sind noch mindestens 7 bis 10 Millionen rein batteriebetriebene Elektrofahrzeuge nötig. Und damit die Rechnung für dieses ehrgeizige Ziel aufgeht, erfordert es bis dahin eine funktionstüchtige flächendeckende Ladeinfrastruktur. Bislang gibt es an die 50.000 Ladestationen – gebraucht werden aber noch über eine Million.

Inzwischen kommen immer mehr Elektroautos mit realen Reichweiten von 300 bis 400 Kilometern und Schnellladeleistungen von bis zu 150 kW auf den Markt und gleichzeitig wächst das Schnelllade-netz. Somit können auch längere Strecken immer besser mit Elektroautos zurückgelegt werden. Allerdings fehlt den meisten E-Autofahrern, aufgrund mangelnder Erfahrungen, noch jegliches Gefühl wie viel Strom sein Elektroauto „frisst“. Zudem ist die tatsächliche Reichweite von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen, ähnlich wie bei den fossilen Verbrennern, von verschiedenen Faktoren abhängig: Von der jeweiligen Außentemperatur, der Nutzung elektrischer Verbraucher und vor allem vom individuellen Fahrverhalten. Darum testet zum Beispiel der ADAC Ecotest alle E-Fahrzeuge unter identischen Bedingungen. Dazu wird das Tagfahrlicht wie die Klimaanlage eingeschaltet und dann, mit einer Zuladung, der ganze Elektrozyklus des Testwagens mit einem Autobahnanteil ausgefahren. Alle Elektroautos, die nach diesem aktuellen Ecotest-Messverfahren vom ADAC geprüft wurden, erzielten im Durchschnitt 15 bis 20 Prozent höhere Stromverbräuche bzw. geringere Reich-weiten als laut Angaben der Hersteller nach dem neuen Prüfverfahren WLTP.

Da nun der Kauf eines E-Autos untrennbar mit der Frage verbunden ist, wie es denn im Alltag geladen werden soll, muss diese schon im Vorfeld geklärt sein. Die einfachste Lösung ist natürlich die private Wandladestation oder sogenannten „Wallbox“ in der eigenen Garage. Denn dort steht das Auto in der Regel mehrere Stunden pro Tag und Nacht, in denen es bequem geladen werden kann. Doch längst nicht jeder Käufer verfügt über ein Eigenheim oder kann sich zum E-Auto noch eine Photovoltaik-Anlage und eigene Ladestation leisten. Immer-hin sind für alles zusammen mehrere tausend Euro fällig.

Aber Bundesregierung und Automobilhersteller haben erkannt, dass Fahrzeuge mit Elektroantrieb ein enormes Potenzial bergen, um die Energiewende voranzutreiben und die Wirtschaft am Laufen zu halten. Deswegen fördern beide den Kauf von Elektrofahrzeugen mit Boni von bis zu zehntausend Euro. Auch für die Anschaffung von PV-Anlagen und private Ladestationen gibt es verschiedenste Förderprogramme, zum Beispiel über die KfW-Bank, die den Kauf derselben attraktiver machen sollen. So bekommt jeder, der seine Stromversorgung aus eigenerzeugtem regenerativem Strom nutzt, oder aber für seine Ladestation Strom aus erneuerbaren Energien bezieht, die Möglichkeit, Fördergelder von Bund, Ländern und Städten zu beantragen. 

Durch diese Förderprogramme hat sich innerhalb kürzester Zeit ein Massen-markt für Ladestationen in Deutschland etabliert, der deutlich über die bisher erreichten Zulassungszahlen an E-Autos hinausgeht. Im Oktober 2021 umfasste das deutschlandweite Angebot von über 200 Anbietern knapp 900 Produkte und nimmt noch weiter stetig zu. 

Fakten

In der aktuellen Studie „Marktmonitor Ladestationen für Elektrofahrzeuge in Deutschland 2021“ zeigt der Bonner Markt- und Wirtschaftsforscher EUPD Research, dass die Hälfte der aktuellen Modelle sich sowohl für den privaten, halb-öffentlichen als auch den öffentlichen Raum eignen. Das gegenwärtige Angebot an Ladestationen wird hierbei von AC Wallboxen dominiert.

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Journalist

Christiane Meyer-Spittler

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