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Prof. Dr. Wolfgang Janni, Direktor der Ulmer Universitätsfrauenklinik und Prof. Dr. med. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums der Universität München FAMILIE & VORSORGE

Früherkennung rettet Frauenleben

Je früher Brust- oder Eierstockkrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Bei familiärer Vorbelastung beraten spezialisierte Zentren.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind das A und O der Krebsbekämpfung. Insbesondere bei Brustkrebs, der häufigsten Krebserkrankung bei Frauen, ist die Früherkennung besonders erfolgsversprechend. Denn das Mammakarzinom ist in vielen Fällen heilbar. Je früher es entdeckt wird, desto höher sind die Heilungschancen. Neben Tumor-Stadium, -Art und Entartungsgrad hängen die Genesungschancen auch vom Alter der Patientin ab. 

„Zur Brustkrebsfrüherkennung beim Frauenarzt gehören die jährliche Tastuntersuchung beider Brüste und Achselhöhlen ab dem 30. Lebensjahr genauso wie die Teilnahme am Mammographie-Screening ab dem 50. Lebensjahr“, erläutert die Leiterin des Brustzentrums der Universität München, Prof. Dr. med. Nadia Harbeck. Bereits ab dem 40. und besonders ab dem 50. Lebensjahr erhöht sich das Risiko einer Frau, an Brustkrebs zu erkranken. Neben dem Alter gibt es noch weitere Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, Übergewicht, Bewegungsmangel und eine fettreiche Ernährung. Auch die Hormonersatztherapie kann das Brustkrebs-Risiko erhöhen.

Eine frühe Diagnose von Eierstockkrebs ist dagegen eher unwahrscheinlich, denn in frühen Stadien hat das Ovarialkarzinom meist keine Symptome. Ein kleiner Trost mag sein, dass nur etwa ein Fünftel der Eierstocktumore bösartig ist. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit dafür mit zunehmendem Alter. Neben dem Alter sind Übergewicht und Hormonersatztherapien weitere Risikofaktoren. Risikomindernd sind dagegen die Einnahme der Anti-Baby-Pille, die Geburt von Kindern sowie das Stillen. „Das regelmäßige Routinescreening mit Tastuntersuchung und Ultraschall ist die bestmögliche Vorsorge“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Janni, Direktor der Ulmer Universitätsfrauenklinik.

Etwa jeder zehnte Eierstockkrebs ist auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen. Bei Brustkrebspatientinnen sind circa fünf bis zehn Prozent familiär vorbelastet. Damit ist in der Regel eine Genmutation der Gene BRCA1 und BRCA2 gemeint. Die Abkürzung BRCA steht für „Breast Cancer“, also Brustkrebs, dennoch erhöhen diese Genveränderungen auch das Risiko für Eierstockkrebs. Treten diese beiden Krebsarten häufig oder in jungen Jahren in der Familie auf, sollten sich Frauen in spezialisierten Zentren beraten lassen – ein Bluttest klärt, ob eine Genveränderung vorliegt. „Die Familiengeschichte ist ein wesentlicher Hinweis über die Wahrscheinlichkeit einer Genveränderung“, weiß Prof. Janni. Bei entsprechendem Risiko übernehmen viele Krankenkassen die Kosten für den Bluttest und die intensivierte Früherkennung in den Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs.

Zwar erkrankt nicht jede Trägerin eines „Brustkrebs-Hochrisikogen“ an Brust- oder Eierstockkrebs, dennoch ist ihr Erkrankungsrisiko erhöht. „Bei Frauen aus Risikofamilien ist eine häufigere Bildgebung der Brüste, gegebenenfalls auch mit einer ergänzenden Kernspintomographie (MRT) empfohlen“, erklärt Prof. Harbeck. Angesichts der schlechteren Heilungschancen von Eierstockkrebs wiegt die Empfehlung für Risiko-Patientinnen dagegen schwerer: „Wir raten zur Entfernung der Eierstöcke nach dem 40. Lebensjahr, was die Entstehung von Eierstockskrebs mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verhindert“, sagt Prof. Janni.

Fakten

Info & Beratung für Betroffene

  • Stiftung Deutsche Krebshilfe (krebshilfe.de, INFONETZ KREBS 0800/80708877)
  • www.krebsinformationsdienst.de
  • Brustkrebs Deutschland e.V. (brustkrebsdeutschland.de, 0800/0117112)
  • Eierstockkrebs Deutschland e.V. (www.eskd.de, 0800 58 925 63)
  • BRCA-Netzwerk: www.brca-netzwerk.de

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Journalist

Kirsten Schwieger

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