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Pascal Wehrlein, Rennfahrer in der Formel E BUSINESS MOBILITY

Firmenwagen als Motor der E-Mobilität

In Norwegen wurden im ersten Quartal mehr E-Fahrzeuge als PKW mit einem Verbrennungsmotor verkauft. Ein Trend, der auch in Deutschland langsam zu beobachten ist.

Für die Stadt denke ich, dass ein E-Mobil eine wirklich gute Lösung ist. 

Der 24-jährige Pascal Wehrlein ist Rennfahrer in der Formel E, einer Rennserie nur mit baugleichen E-Boliden. Eine Rennserie, die in Städten wie New York, Paris oder Berlin mitten in der Stadt ausgetragen und immer beliebter wird. Statt Benzin im Blut wird jetzt unter Hochspannung um den Sieg gefahren. „Hochspannend ehrlich gesagt. Es macht Spaß, man gewöhnt sich schnell dran. Sobald man sich nicht mehr auf den fehlenden Sound, sondern auf das Fahren konzentriert, ist es wirklich gut. Bei der Formel E gibt es Einheitsfahrzeuge, das heißt dass die Fahrzeuge alle identisch sind. Es gibt nur wenige Bereiche, die man selbst entwickelt darf. Von dem her stellt man da einfach sicher, dass die Unterschiede zwischen den Teams nicht so groß sind und dass nicht der Hersteller, der am meisten Geld ausgibt, das schnellste Auto hat. So versucht man ein bisschen Fairness aufzustellen und das finde ich sehr gut“, sagt Pascal Wehrlein über die nachhaltige Rennserie im Motorsport.

Die Formel E zeigt, die Elektromobilität ist zum Alltag geworden. Doch die Zulassungszahlen in Deutschland hinken denen in anderen Ländern noch weit hinterher. Dr. Oliver Reiner, Leiter Competence Center Strategy, Innovation & Sales bei Horváth & Partners: „Ich bin eigentlich nicht überrascht. Die Zahl der Zulassungen hätte auch höher sein können. Wir befinden uns jetzt, was das Thema E-Mobilität betrifft, in einer entscheidenden Phase. Noch fahren wir mit der sprichwörtlich angezogenen Handbremse. Die großen Hersteller haben noch kein massentaugliches Portfolio im Programm. In der Oberklasse gibt es mit dem Porsche Taycan und dem E-Tron von Audi zwei Modelle. Doch dem Golf-Fahrer oder dem Audi-A-4-Besitzer wird nichts Vergleichbares angeboten. Ich glaube, in den Jahren 2021 bis 2023 wird die ganz große Offensive der deutschen Hersteller auch am Markt verfügbar sein.“

Überall ist ein Umdenken zu mehr Nachhaltigkeit angekommen. Laut den aktuellen Zahlen der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT Diesel-Barometer April 2019) denken inzwischen 49 Prozent der Fuhrparkleiter mittelfristig über die Anschaffung von PKW mit alternativen Antrieben nach. Die steuerliche Entlastung durch die „0,5-%-Regel“, eine Förderung der Bundesregierung der Firmen- und Dienstfahrzeuge, kurbelt den Absatz der E-Mobile kräftig an. Doch die Bundesregierung könnte noch mehr machen, fordert Dr. Oliver Greiner. „Das Beispiel von Norwegen zeigt: Eine richtige Förderung kommt auch an. Dort ist der Anteil von E-Autos an den Neuzulassungen bei fast 50 Prozent. Die Fahrzeuge parken gratis, der Strom ist kostenlos und sie dürfen privilegierte Bus- und Taxispuren benutzen. Die deutsche Förderung ist dagegen nur kosmetisch. Sie schadet nicht, nutzt aber fast gar nichts. Deswegen sind ja auch erst so wenige Fördermittel abgerufen worden. Eine Verdoppelung der E-Prämie wäre absolut sinnvoll, damit sich auch hier ein Massenmarkt der E-Mobilität entwicklen kann. So lösen wir die Handbremse jedenfalls nicht.“

Die deutschen Automobilbauer haben die Trends der letzten Jahre nicht ernst genommen. Sie setzten weiter auf High-Tech beim Verbrennungsmotor, sind in der Entwicklung von Motoren Weltspitze. Doch andere Länder haben die VW, BMW und Daimler längst überholt. Es gibt keine eigene Batteriefertigung, das Netz der Ladesäulen wird gerade erst aufgebaut, Tesla aus den USA hat dafür alles richtig gemacht.

„Ich glaube, dass die Automobilhersteller schon ein wenig Panik haben. Lange war das E-Mobil für sie das häßliche Entlein, technisch nicht sexy. Hier ist eher eine Software-Kompetenz und digitale Kunst gefragt, das haben die deutschen Autobauer so nicht. Wenn es um Verbrennungsmotoren geht, waren sie und sind sie die Nummer 1. Hinzu kommt die betriebswirtschafliche Komponente. Die Margen, die mit E-Fahrzeugen zu erzielen sind, bewegen sich noch im unteren Bereich. Die deutschen Hersteller wollten es einfach nicht, sie hatten keine Freude an dem Thema,“ fasst Dr. Greiner die momentane Lage der deutschen Automobilhersteller zusammen.

Pascal Wehrlein fährt privat noch einen Diesel, für 5.000 Kilometer im Monat würde er nur an der Ladesäule stehen,“ Für Kurzstrecken bin ich aber total damit einverstanden. Ich überlege gerade, mir ein E-Mobil für zu Hause zuzulegen. Für die Stadt denke ich, dass es wirklich eine gute Lösung ist,“ sagt der Rennfahrer.

Fakten

Neue E-Mobile haben inzwischen Lieferzeiten von bis zu einem Jahr. Die Hersteller nennen Engpässe bei der Batterieproduktion als Hauptgrund. Die große Nachfrage nach alternativen Fahrzeugen setzt die großen Hersteller stark unter Druck. Wer liefern kann, wird das Rennen gewinnen.

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Journalist

Jörg Wernien

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