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Wiege der Weltentdecker

Von Norwegen aus entdecken die Wikinger große Teile der Welt – auf gefährlichen Seereisen.

Unzählige Fjorde, die sich bis weit ins Innere der einsamen Gebirge Norwegens erstrecken, ermöglichten den wachen und unternehmungslustigen Wikingern vor mehr als tausend Jahren ihren Hunger leichter zu stillen – nach Entdeckungen, Nahrungsmitteln und Schätzen. Denn auf dem Wasser kamen sie weitaus schneller und sicherer voran als es zu Land jemals möglich gewesen wäre. Die Wikinger (die übrigens niemals freiwillig einen Helm mit zwei Hörnern aufgesetzt hätten) entwickelten sich zu ausgezeichneten Bootsbauer. Sie entwickelten hölzerne Langschiffe, die schmal und so leicht waren, dass sie auch getragen werden konnten. Identischer Bug und Heck versprach das Segeln in beide Richtungen, ohne dass ein Wenden des ganzen Bootes nötig gewesen wäre. Der Rumpf der hölzernen Langboote war flachkielig, die vielen Ruder beinahe so lange wie das ganze Boot. 

Später setzten die Wikinger zusätzlich noch Segel ein, was ihnen ein deutlich rascheres Vorankommen auf dem Wasser ermöglichte. Die ersten mutigen und kräftigen Männer segelten Ende des achten Jahrhunderts aus den norwegischen Fjorden hinaus und an den Küsten entlang, immerzu Wind und Wetter ausgesetzt. Den anfänglichen Entdeckungs- und Handelsreisen folgten vereinzelt Überfälle auf Städte und Siedlungen an Küstenorten in ganz Europa. Da diese meistens recht erfolgreich verliefen und viel einbrachten, entstanden immer mehr Langschiffe, die vollbesetzt los segelten. Dabei wurden die Entfernungen immer größer: Nach Westen brachten Muskelkraft und Wind die Wikinger bis ins eisige Grönland, im Osten bis ans Kaspische Meer. England, Irland, Schottland und Frankreich wurden zu beliebten Zielen der nordischen Seefahrer, die schließlich auch zusätzlich aus Schweden und Dänemark stammten. Alsbald unterwarfen die Wikinger die Shetland-Inseln, die Orkney-Inseln, die Faröer Inseln und auch Island. 

Doch die Seefahrer zog es immer wieder zurück in ihre Heimat und auch den Siedlern blieb die Sehnsucht nach ihrem wunderschönen Land mit den tiefblauen Fjorden im Herzen verankert. Die Schönheit der nordischen Natur, das nicht endend wollende Licht im Sommer, das zauberhafte Polarlicht, das den Menschen während der harten Wintermonate ihr Dasein erträglicher machte – Norwegen übte schon vor über tausend Jahren einen heftigen Sog aus und berührte die Menschen durch seine reizvolle und malerische Natur. 

Auch heute haben Norwegens Wasserwege große Bedeutung, wenn auch nicht rudimentär als Ausgangsort für die Entdeckung der Welt. Vielmehr zieht das Land mit den wenigen Einwohnern im Norden Europas reihenweise begeisterte Besucher aus der ganzen Welt an, die es ihrerseits vorziehen, die Schönheit der Fjorde vom Wasser aus zu betrachten. 

In schmale Langboote muss sich dazu niemand mehr begeben, denn komfortable Kreuzfahrtschiffe ermöglichen es, die „besten unberührten Reiseziele der Welt“, die mittlerweile sogar UNESCO-Weltnaturerbe sind, in Ruhe zu genießen. Der direkte Blick auf knapp 2.000 Meter hohe Felswände mit weißen Bergspitzen und auf enge Schluchten mit bis zu 1.300 Meter tiefen Salzwasser verursacht bei den Besuchern große Ruhe und ein tiefes Glücksgefühl. Der Geirangerfjord und der Nerøyfjord an der Westküste verzaubern mit Wasserfällen und pittoresken Dörfern, im Norden fasziniert der teilweise nur 100 Meter breite Trollfjord. 

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Journalist

Katja Deutsch

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