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„Wir fühlen uns als Vorreiter“

Der Hamburger Hafen zählt zu den größten in Europa. Wie wichtig die Vollautomatisierung der Prozesse in der Supply Chain ist, welche Rolle KI und nachhaltige Umsetzung spielt, erklärt Axel Mattern, Vorstand bei Hafen Hamburg Marketing e.V. 


Axel Mattern, Vorstand bei Hafen Hamburg Marketing e.V.

Herr Mattern, wie würden Sie die digitale Entwicklung in den letzten fünf Jahren im Hamburger Hafen beschreiben?

Gigantisch, allerdings auch nicht nur in den letzten fünf Jahren, sondern im Prinzip schon seit zehn bis zwölf Jahren. Wir haben die erste massive Digitalisierung bereits 1985 vollzogen. Dafür wurde die Firma Dakosy (Data Communication Systems) gegründet. Sie hatte die Vorgabe, den gesamten Kommunikationsablauf im Hafen zu digitalisieren. Dakosy wurde von allen Stakeholdern im Hamburger Hafen gemeinsam gegründet und das hat dazu geführt, dass man einen ein digitales Vertrauen über die ganzen Jahre entwickelt hat. Im Hamburger Hafen haben wir eine große Digitalisierungsquote, eine riesige Dynamik und fühlen uns als Vorreiter.

Digitale Prozessoptimierung in der Supply Chain gilt als Erfolgsgarant im Wettbewerb. Wie ist der Hamburger Hafen dort aktuell aufgestellt?

Ich will nicht sagen, dass alles perfekt ist, aber es sind einfach schon viele Tools und Dinge installiert, die gut laufen: von Slot-Buchung über Lkw-Abholung bis zur Import- und Exportabwicklung. Doch nicht jeder der verschiedenen Vertragspartner in der Supply Chain hat die gleiche Motivation, das System mit Informationen zu füttern, um es zu verbessern. Aber gerade richtiger und regelmäßiger Input ist wichtig für eine vollautomatisierte Supply Chain auf KI-Basis.


Der vermehrte Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist besonders in der Produktionskette spürbar. Wie groß ist der Anteil bei Ihnen?

KI ist fast überall zu finden. Viele Prozesse werden auch in der Supply Chain durch KI hin optimiert und verbessert. Am Terminal Altenwerder etwa, wo wir einen hohen Automatisierungsgrad ha-ben. Hier hilft eine KI, hauptsächlich den Ablauf der Transport- und Lagerprozesse zu verbessern. Gleichzeitig wird sie auch genutzt, um zuverlässiger Prognosen zu Lebensdauer und erwartbaren Schäden zu erstellen. Aber es gibt noch Grenzen, weil vieles physisch gemacht werden muss. Der Transport von Waren bleibt primär erstmal physisch.


KI steht auch immer in Konkurrenz mit dem Mitarbeiter. Wird der Hafen der Zukunft ohne Menschen völlig vollautomatisiert laufen?

Nein, es geht immer um eine Koexistenz. Wenn ich mir einen vollautomatisierten Terminal anschaue, dann haben wir nicht weniger Mitarbeiter auf dem Terminal, sondern anders qualifizierte Mitarbeiter. Der ganze Transformationsprozess ändert die Berufsfelder. Statt Carrier-Fahrer gibt es nun die gleiche Anzahl an IT-Fachkräften oder Service Mitarbeitern, weil die Technik gewartet und auch repariert werden muss. Ich glaube nicht, dass durch KI und Automatisierung am Ende kein Mensch mehr arbeitet.


Kann China ein Vorbild für Vollautomatisierung der Prozesse im Supply Chain sein?

An manchen Stellen schauen wir sicherlich etwas neidvoll auf das, was dort möglich ist. Wenn die Chinesen etwas wollen, dann setzen sie das in Rekordzeit um. Bestes Beispiel Landstrom: Fast alle chinesischen Terminals in Häfen verfügen über Landstrom. Hier stehen wir noch am Anfang und können in internationalen Kooperationen wie ChainPort viel von-einander lernen. Auch beim Umstieg auf E-Mobilität sind sie Vorbild. Sie probieren einfach Dinge aus, und wenn es dann nicht funktioniert, ist es keine Schande. In Deutschland wird immer alles drei-hundert prozentig optimiert, geprüft und dann vielleicht ausprobiert.

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Journalist

Thomas Soltau

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