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Das Hormon Oxytocin wird beim Kuscheln sowohl beim Menschen als auch beim Tier ausgeschüttet. WELLBEING

Wie das Kuschelhormon uns Menschen hilft

Haustiere können ein wichtiger Beziehungspartner im Alltag sein und als Medium bei Therapien helfen, sagt der Psychotherapeut Rainer Wohlfarth.

Haustiere sind täglich in unserer Nähe und verströmen ihre wohltuende Wirkung auf uns. 


Rainer Wohlfarth, Psychologischer Psychotherapeut mit dem Schwerpunkt auf Verhaltenstherapie, mit Bettina Mutschler, Hundeerziehungsberaterin, Foto: Presse

Bekannt ist die Delphintherapie für behinderte Kinder. Aber nicht jeder hat die Möglichkeit, sich zuhause einen Delphin zu halten. Tut es auch ein Hund oder eine Katze?

Ja, absolut. Die Wirkmechanismen sind ähnlich. Ein großer Unterschied ist natürlich, dass es sich bei Hund und Katze um domestizierte Tiere handelt, die seit Jahrtausenden mit dem Menschen zusammenleben. Das ist bei Delphinen, die ja Wildtiere sind, anders. Ich bin übrigens skeptisch, was die Delphintherapie angeht. Sie ist sehr teuer und die Frage der Wirksamkeit ist noch gar nicht geklärt. Daher rate ich dazu, auf das Haustier oder auf Tiere vom Bauernhof zurückgreifen.

Es muss ja auch gar nicht immer um eine Therapie gehen. Tut uns das Tier einfach auch in unserem Alltag gut?

Ja, denn Haustiere sind täglich in unserer Nähe und verströmen ihre wohltuende Wirkung auf uns. Bei der Therapie aber wird ein Tier als Werkzeug oder Medium eingesetzt. Wenn ich als Psychotherapeut bei einer Therapie nicht weiterkomme, setze ich meinen Hund oder unsere Esel, die wir zuhause haben, ein. Dann handelt es sich also um eine tiergestützte Psychotherapie. Das Grundprinzip aber ist bei einer Therapie und im Alltag gleich: Ein Tier tut uns gut.

Können beispielsweise Hundehalter auch ihr eigenes Tier mit zur Therapie bringen?

So etwas gibt es. Ein Hund ist ja Teil des Lebens dieser Person und daher kann es von Vorteil sein, das eigene Tier in die Therapie miteinzubringen.

Warum heilen uns Tiere und helfen uns im Alltag?

Tiere haben drei hauptsächliche Wirkungen, die alle zusammenhängen. Erstens können wir zu Tieren genauso Bindungen aufbauen wie zu einem Menschen. Es ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen, dass Tiere Bindungspartner für Menschen sein können. Wenn es uns schlecht geht, dann knuddeln wir das Tier. Zweitens hängt damit zusammen ein Hormon namens Oxytocin, das wir auch Kuschelhormon nennen. Wenn wir unseren Hund streicheln, wird bei uns Menschen dieses Hormon ausgestoßen – aber interessanterweise beim Hund auch. Dadurch entsteht die gegenseitige Bindung. Oxytocin ist auch ein Antistresshormon, dass dem Körper eine Art Reset ermöglicht. Und drittens bietet ein Hund vielen Menschen soziale und emotionale Unterstützung. 

Welche Krankheiten können Haustiere lindern helfen?

Man spricht heute von der sogenannten tiergestützten Therapie – aber die gibt es so pauschal gar nicht. Was es gibt, ist, dass ein Tier bei bestimmten Problemen als Medium oder Therapiepartner eingesetzt wird. Daher sprechen wir beispielsweise von tiergeschützter Sprach-, Ergo- oder Psychotherapie. Es gibt nämlich nicht das eine Krankheitsbild, gegen das Tiere eingesetzt werden können. Es gibt aber wohl bestimmte Wirkmechanismen, die Tiere haben. Sie lindern zum Beispiel während einer Therapie Angst und Spannungen, können eine Bindung herstellen oder Klienten motivieren, wenn das dem Therapeuten nicht gelingt. 

Fakten

Das Therapeutenpaar Rainer Wohlfarth und Bettina Mutschler lebt das, was es in seinem Buch „Die Heilkraft der Tiere“ (btb-Verlag) beschreibt, auch privat: Im heimischen Garten leben vier Esel, im Haus ein Hund und eine Katze. Für Wohlfarth ist auch das Wohl des Tieres wichtig: „Eine tiergestützte Therapie ist immer auch eine tiergeschützte Therapie.“

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Journalist

Armin Fuhrer

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