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Der Trend geht zu großen Logistikzentren. LOGISTIK & HANDEL

„Es gibt einen Hype um Logistikzentren“

Der wachsende E-Commerce  und der Wunsch nach schnellen Lieferungen sorgen für einen Boom. Über Chancen und Hemmnisse spricht Raimund Paetzmann  vom ZIA.

Die Nachfrage nach Logistikimmobilien ist groß, das Angebot wird allerdings immer knapper.


Raimund Paetzmann, stellvertretender Ausschussvorsitzender Logistikimmobilien des Zentralen Immobilienausschusses (ZIA), Foto: yosefhakimi-photography.com

Ist ein zeitgemäßer Lieferservice ohne den Betrieb von Logistikzentren eigentlich noch zu schaffen?

Nein, das würde ohne Verteilzent-ren nicht klappen. Die Kunden fordern immer schnellere Lieferungen der von ihnen bestellten Waren. Möglichst sollen sie noch am selben Tag ankommen. Es gibt daher derzeit einen großen Hype um Logistikzentren und das gilt nicht nur für den Online-Handel, sondern auch für den stationären. Die Nachfrage nach neuen Logistikstandorten ist groß, das Angebot wird allerdings immer knapper. 

Warum?

Jeder möchte gerne seine Lieferung möglichst sehr schnell bekommen, aber niemand möchte ein Logistikzentrum vor der Tür haben. Und neben diesem Akzeptanzmangel gibt es auch einen Mangel an verfügbaren Grundstücken. Aber trotzdem wird der Bedarf weiter steigen, das zeigt schon die Erwartung, dass der E-Commerce und der Wunsch nach einer Same-Day-Delivery auch nach der Pandemie weiterwachsen wird. Dadurch werden wir auch weitere Logistikflächen benötigen.

Haben Logistikzentren auch Vorteile aus Sicht der Unternehmen oder geht es nur um die Kunden?

Klar, sie ermöglichen einen großen und optimierten Warenumschlag. Produkte können viel schneller in die Region geschickt werden, wo sie gebraucht werden. Das vermeidet ein unnötiges Hin- und Hertransportieren. Ein guter Warenfluss, vom Hersteller zu einen Inbound Distributionszentrum, zum Fullfillment Center und von dort in die  Carrier-Netzwerke (DHL, Hermes u. a.) optimiert Lieferverkehren und garantiert eine schnelle Lieferung zum Kunden.

Müssen Unternehmen ihre Zentren unbedingt selbst betreiben?

Nein, das geht sehr häufig auch per Dienstleister (3PL). Die meisten großen E-Commerce-Player machen das aber selber, bzw. stellen häufig die  Assets wie die Halle und die sehr  spezialisierte Warenfluß im Gebäude, während die Dienstleister die Anlagen dann Betreiben. Davon existiert inzwischen eine ganze Reihe. Die 3 PL Dienstleister stellen auch selber Gebäude und Anlagen bereit, um für viele Unternehmen eine reibungslose Verteilung der Ware zur Verfügung zu stellen.

Dienen Logistikzentren eigentlich auch der Nachhaltigkeit?

Das ist sogar ein ganz wesentlicher Punkt. Bei der Logistik geht es immer um Optimierung und diese Optimierung bedeutet auch eine Reduktion des Transports. Und weniger Transport bedeutet weniger CO2-Emissionen, weniger Verkehr und geringere Kosten. Immer mehr Unternehmen haben sich ja eine Senkung der Emissionen hohe Klimaziele gesetzt. Leider spielt die Politik da bislang nicht immer mit.

Wie meinen Sie das?

Oft steht bei der Umsetzung von klimafreundlichen Arbeiten die Bürokratie im Wege. Wenn wir zum Beispiel Logistikzentren klimafreundlich aus Holz bauen wollen, sind Behörden  häufig noch sehr skeptisch, weil es schwer ist unsere heutigen Vorschriften auf neue Bauweisen anzuwenden und man bei Holz fälschlicherweise häufig glaubt, dass davon eine größere Brandgefahr ausgehe. 

Oder nehmen wir das Beispiel Solarenergie: Die Dächer von Logistikhallen bieten sich als Fläche zur Gewinnung von Sonnenergie eigentlich gut an. Aber Unternehmen, die das machen, haben trotzdem Probleme, die Autos ihrer Mitarbeiter mit dem eigenen Solarstrom aufzuladen. Denn in dem Augenblick, in dem sie einen LKW an die Steckdose anschließen, gelten sie als Stromverkäufer, und das zieht eine Reihe von Komplikationen nach sich. Ich würde mir erheblich mehr Kreativität und Zusammenarbeit und weniger bürokratische Hemmnisse in Deutschland wünschen.

Fakten

Arbeit und Freizeit gehen bei Raimund Paetzmann eine Symbiose ein, denn über Herausforderungen der Sustainability denkt er gerne auch nach Dienstschluss nach. „Das Thema fasziniert mich einfach“, sagt er. Um sich zu entspannen, geht er gerne laufen und macht immer wieder die Erfahrung, dass er beim Joggen gut nachdenken kann.

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Journalist

Armin Fuhrer

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