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Die Zukunft der Verpackungsindustrie

Foto: Anne Huneck

Herr Ulf Keterborn, IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e. V.

Kunststoffverpackungen haben aufgrund ihrer vielfältigen Verpackungseigenschaften eine hohe Schutzfunktion. Besonders deutlich wird dies bei Lebensmitteln. Rund ein Drittel der weltweit erzeugten Nahrungsmittel verrotten bereits beim Transport bzw. bei der Lagerung, in Europa allein 88 Millionen Tonnen im Jahr. Ein Grund hierfür ist der fehlende Einsatz geeigneter Verpackungen. Verdorbene Lebensmittel verursachen neben einem erheblichen ökonomischen Schaden wesentliche Umweltbelastungen. So werden beispielsweise für die Produktion von 1 kg Rindfleisch ca. 15 kg CO2-Emissionen verursacht, wohingegen für die Produktion der Kunststoffverpackung, die dieses Fleisch schützt, gerade einmal zwischen 200 und 400 g CO2 anfallen. Kunststoffverpackungen verbessern deutlich die Haltbarkeit gerade sensibler Lebensmittel, müssen aber natürlich richtig entsorgt werden – ordnungsgemäß über den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne. Hauptverursacher des Müllstrudels im Pazifik sind asiatische Staaten. Dort gilt es schnellstmöglich entsprechende Rückführungs- und Recyclingsysteme, wie wir sie in Deutschland haben, zu installieren. Wir unterstützen mit Projekten dieses Vorhaben in einigen dieser Länder.

Foto: VDMA/Uwe Noelke

Richard Clemens, Geschäftsführer VDMA, Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen, Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate

Bei Getränkeherstellung und -abfüllung stehen Produkt und Produktsicherheit im Fokus, das heißt, Hygiene hat hier einen extrem hohen Stellenwert. Maschinenteile, die das Getränk berühren, müssen aus Werkstoffen wie Edelstählen oder anderen ebenfalls für den Lebensmittelkontakt geeigneten Materialien bestehen. Eine Temperaturbelastung sollte nur in dem Maße erfolgen, wie es zur Eindämmung des Keimwachstums im Getränk erforderlich ist – so bleiben Inhaltsstoffe wie Vitamine oder Aromen besser erhalten. Innerhalb der Abfüllmaschine gibt es unterschiedliche Anforderungen an die „Reinräume“ und ein strenges Hygienekonzept.

Um ein Entweichen der Kohlensäure zu verhindern, muss der Deckel bei karbonisiertem Wasser sehr schnell angebracht werden. Die Einbuchtungen am Flaschenboden dienen zum einen der Drehbarkeit der Flaschen während der Produktion und zum anderen der Standfestigkeit der Flasche, denn eine Wasserflasche mit karbonisiertem Wasser ist nichts anderes als ein kleiner Druckbehälter. Wäre der Boden glatt, könnte er sich durchdrücken – bei Wasser genauso wie bei Wein oder Bier, bei Glas genauso wie bei PET-Flaschen. Eine gute Abfüllanlage schafft übrigens
60 000 Flaschen pro Stunde.

Foto: Matthias Horn

Michael Brandl, Geschäftsführer des Fachverbandes Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel e. V. (FKN)

Der Getränkekarton ist die einzige Verpackung für Milch und Fruchtsäfte, die heute schon zum weit überwiegenden Anteil aus einem nachwachsenden Rohstoff hergestellt wird. Das verwendete Holz ist nach dem weltweit anspruchsvollsten Nachhaltigkeitsstandard (FSC) zertifiziert. Ziel ist es, auch die Beschichtungen und Verschlüsse, mit denen die Verpackungen ausgestattet sind, durch klimafreundliche Alternativen zu ersetzen.

Getränkekartonverpackungen, die Bio-Polymere einsetzen und auf Aluminium komplett verzichten, sind bereits auf dem Markt. Dies wird die Ökobilanz weiter verbessern: Alle vorliegenden Studien kommen zu dem Ergebnis, dass der Getränkekarton selbst den Vergleich mit Mehrwegsystemen nicht zu scheuen braucht. Deshalb wird er vom Umweltbundsamt (UBA) als einzige Einwegverpackung von Marktbedeutung als „ökologisch vorteilhaft“ anerkannt und ist von der Pfandpflicht befreit. Die Recyclingquote liegt nach den Erhebungen des UBA bei 76 % (2016). Seit mehr als 25 Jahren nutzen Papierfabriken die hochwertigen Papierfasern des Getränkekartons, um daraus neue Verpackungspapiere herzustellen. Die Folienreste gehen derzeit noch als Ersatzbrennstoff in die Zementindustrie. Das wird sich im nächsten Jahr ändern: Die Hersteller von Getränkekartons nehmen die Verwertung selbst in die Hand und haben in eine Recyclinganlage investiert, die in der Nähe von Köln gebaut wird.

Foto: VDMA/Uwe Noelke

Eric Rehbock, bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V.

Hierzulande sind 44 % aller Verpackungen aus Kunststoff – vorrangig aus PET, PE und PP. Bisher liegt die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen bei nur 36 %. Ab 2019 wird es anspruchsvoller: Dann gilt eine Quote von 58,5 %. Unternehmen, die schlecht recycelbare Kunststoffverpackungen, zum Beispiel aus mehreren Schichten, herstellen, müssen dann höhere Lizenzgebühren zahlen als diejenigen, deren Verpackungen sich gut recyceln lassen. Ab dem 1. Januar 2021 soll die Quote sogar auf maximal 63 % steigen. Dieses ambitionierte Ziel lässt sich nur dann erreichen, wenn Kunststoffverpackungen auf den Markt kommen, die recyclingfähig sind. Hinzu kommt: Kommunen und duale Systeme müssen durch offensive Aufklärungsarbeit bei der Bevölkerung mehr Akzeptanz für die Mülltrennung erreichen. Zudem müssen die Abfall- und Wertstoffsammlungen optimal aufeinander abgestimmt werden, damit im gelben Sack tatsächlich nur Wertstoffe landen. Die Recyclingbranche hat gute Anlagen und investiert weiter. Beispielsweise sind in den letzten Monaten neue Sortieranlagen an den Start gegangen, um dieses Ziel zu erreichen.


Und was passiert beim Verpackungsdesign?


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Journalist

Katja Deutsch

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